100 Fragen Ihr Leben betreffend

Kurz und gut
Kurz und gut

100 Fragen Ihr Leben betreffend – Petra Bock

 

2009 Knaur Verlag

ISBN 978-3-426-65469-9

 

Achtung: Diese Ausgabe ist vergriffen. Einzelne Exemplare finden sich im Buchhandel.

 

Über Erfolg und Misserfolg in unserem Leben entscheidet die Fähigkeit, uns die richtigen Fragen zu stellen.

…sagt Petra Bock auf dem Buchrücken.

 

Autorin und mehrfach ausgezeichneter Coach Petra Bock

Frau Dr. Bock ist laut Verlagsangabe eine der erfolgreichsten Coaches Deutschlands, was ich angesichts ihrer Veröffentlichungsliste, ihrem Bestsellerstatus mit MINDFUCK JOB und vor allem aufgrund ihrer fachlichen Aussagen gern glaube. Die kurze Recherche bringt mich zu ihrer Website, ihrem Newsletter und schließlich zur Petra-Bock-Coaching-Akademie nach Berlin, deren Programm sich sehr einladend und inhaltlich einzigartig liest. Diese Berufskollegin hat sehr viel erreicht, hat noch mehr zu bieten und interessiert mich.

 

100 Fragen für Sie – mehr als ein Aha-Erlebniss

Wer trotz persönlicher Reife, erfolgreichem Leben und dem Traumjob noch Erkenntnisse über sich sucht, sollte sich diese „100 Fragen Ihr Leben betreffend“ stellen und in aller Ruhe beantworten. Dieses Buch bietet eine für mich einzigartige Selbstcoaching-Qualität. Wer bereits einiges zur Selbstentwicklung und zum Selbstcoaching kennt, wird vielleicht noch einmal überrascht.

 

Die 9 Fragebereiche wirken einladend. Sie erlauben einen Analyseansatz, der in vernachlässigte Gebiete führt. Frage 1 verblüfft und erinnert zu Recht an die Icebreaker in Persönlichkeitsentwicklungsseminaren.

Fragesektion 1 „Wo Sie stehen“ scheint ein harmloser, freundlicher Auftakt, der mich allerdings bereits mit Frage 5 zu einem tieferen Verstehen und zu einer sehr klaren Formulierung meines persönlichen Lebensanliegens führt.

 

Meine erste Überraschung

Mit wem will ich mein hypothetisch letztes Lebensjahr oder gar die letzte Lebenswoche verbringen? Mir fallen spontan drei Namen ein. Ich kann umgehend argumentieren, wieso diese drei, und bin erstaunt. Ich sehe plötzlich vor mir, wann Austausch für mich wirklich zählt und welche Personen exklusiv dafür in Frage kommen. Die Liste wird zögerlich etwas länger. Das Hauptkriterium für die Selektion bleibt, doch es darf sich bei meinen Lebensmenschen optisch breiter entfalten und von ihnen unterschiedlich gelebt werden. Mein Kriterium heißt: “Hast du anderen etwas zu geben und bist du darauf vorbereitet, es zu tun?” Subsummiert heißt es: Bist du ein Hub?

 

Emotionale Bestandsaufnahmen habe ich schon mehrfach vollzogen. So auch mit “Das rechte Maß”. Ich weiß, von wem ich lerne, wer mir beiträgt, wen ich schätze, unterstütze und liebe.

Frage 5 bringt mich zu einer kompromisslosen Erkenntnis: Ich unterscheide meine Lieben, meine Freunde, meine Gesprächspartner bei aller Zuneigung tatsächlich nach Hubqualität. Meine hypothetisch letzte Woche will ich mit einer Gruppe von Hubs verbringen, mit Menschen, die andocken, die weitergeben, teilen, andere entwickeln, die Potenziale wachsen lassen und die das Erschaffen guter Lösungen fördern.

 

100Fragen_innensqPurismus und berührende Einfachheit

Nun sitze ich vor einem kleinen Büchlein mit 95 Seiten, 100 Fragen, sehr vielen Leerzeilen und bin berührt von dem, was diese Wanderung durch Themenlandschaften “wer Sie sind”, “was Sie glauben” und schließlich “was Sie noch erleben wollen” in mir auslöst. Jedes einzelne dieser neun Kapitel kann ich mal rascher mit nur 7-8 Fragen erarbeiten, um dann wiederum am nächsten Tag wirklich lang mit 17-18 Fragen beschäftigt zu sein. Jede einzelne Frage erscheint mir sinnvoll. Manche Antwort geht mir leicht von der Hand, dann wieder kostet mich ein Gedanke 15-20 Minuten und hängt mir den Rest des Tages nach.

Jedes Kapitel bietet mir eine Überraschung über mich selbst.

Die Aufmachung ist dabei so schlicht, dass ich als Leserin bereits beim ersten Öffnen neugierig wurde und Appetit auf die Auseinandersetzung bekam.

 

Warum 100 und nicht einfach 9/100?

Nähme ich aus allen 9 Themenfeldern die jeweils für mich reizvollste Frage, hätte ich ein unzusammenhängendes Bild, das für mich weder Reiz noch Magie bereithält. Eine der wundervollen kleineren Überraschungen ist nämlich, dass ich den Fragen erst durch meine Auseinandersetzung mit ihnen Leben einhauche.

Die unterschiedlichen 9 Kapitel berühren dabei Punkte, die wir im Alltag als Hintergrundmelodie laufen haben mögen, doch wir bearbeiten sie selten. Wann habe ich zum letzten Mal etwas Neues über mich erfahren? Ich habe einen guten Freund dazu befragt. Er hatte keine Antwort.

Ist der Mensch neben dem ich aufwache, der, neben dem ich aufwachen möchte? So lautet Frage 47, die nur eine aus 22 zu “wie Sie lieben” darstellt.

Ich möchte keine missen.

 

Reflexion und Pragmatismus

Wenn ich mich einer neuen Lektüre nähere, bleibe ich oft im Vorwort stecken. Das kann ich fünfmal lesen, bevor ich in den eigentlichen Text einsteige. Meist vermute ich in den ersten 5 Seiten den Schlüssel zum Lese- oder Lernerfolg.

Für dieses Büchlein stimmt das. Am 3. Reflexionstag entdecke ich: Frau Bock empfiehlt die tägliche Arbeit mit nur einem Kapitel. Die Leerzeilen unter ihren Fragen dienen nicht der kompletten Erarbeitung, sondern nur eventuellen schnellen Notizen und Stichworten. So einfach, so praktisch.

 

Selbsthilfebücher und die ewige Suche

Vor über einem Jahr bin ich im Internet zufällig über dieses 95-seitige Büchlein gestolpert und habe es als vorerst letztes seiner Art erstanden.

Weder bin ich Bücherscout, noch verführe ich meine Klienten dazu, alles im Alleingang zu unternehmen. Vielmehr bin ich als Coach neugierig auf Menschen und wie viele meiner KollegInnen eine ewig Suchende. Ich suche Lösungen, Instrumente, Empfehlungen für andere und für mich. Wenn ich dazu geeignete Wege entdecke, teile ich sie gern oder begleite meine Gesprächspartnerinnen dorthin. Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Immer wieder habe ich mir dieses Büchlein für Reisen aufgrund seines kleinen Formats in die Tasche gesteckt. In Deutschland gekauft, musste es mit nach Österreich und wieder zurück. So ist es sicher 10-15 Mal mit mir geflogen, ohne dass ich über die ersten Seiten hinausgekommen bin.

Ich wollte es mir immer für den richtigen Moment aufsparen. Nachdem ich im weihnachtlichen Bücherbummel plötzlich MINDFUCK JOB vor Augen hatte, wusste ich: Jetzt ist es soweit.

 

Wie nun weiter?

Wird sich für mich mit diesem Büchlein etwas ändern? Ja. Ich bin mir ganz sicher, denn ich habe bereits begonnen.

Mit meiner Antwort auf Frage 5 bin ich gleich losmarschiert und habe vorsichtig bei Menschen angeklopft. Frage 23 hat für mich ein ganz altes Konzept von der Liebe und einem guten Leben beleuchtet und mich ungemein entlastet. Bei Frage 66 treffe ich die Menschen wieder, die ich bei Frage 5 entdeckt habe. Ich habe jetzt ein Bild davon, was ich umgehend in meinem Arbeitsalltag anders will, und auch eine Vorstellung davon, wie ich wohl in 20-30 Jahren leben will. Ich weiß auch, was ich zur Realisierung unternehmen werde.

 

Die Suche lohnt sich immer

Ob Sie nun Petra Bocks Büchlein im Buchhandel finden, ob es davon eines Tages eine Neuauflage gibt: Sie werden Ihre eigenen Inspirationen und Wegweiser finden.

Ich liebe Reflexions- und Entwicklungsreisen. Diese war und ist noch immer die bei weitem Schönste.

 

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3 thoughts

  1. Liebe Frau Schulte,
    eine Buchrezension, die dazu führt, dass am Ende der Leser das Buch umgehend bestellt, ist gelungen. Bravo! Ich habe gerade dieses Buch bestellt. 🙂
    Unabhängig von diesem “direkten Erfolg” haben mich die Fragen, die Sie erwähnt haben, schon nachdenklich gemacht, ohne dass mir das Buch vorliegt.
    Grundsätzlich ist eine Bestandsaufnahme immer eine heikle Angelegenheit: Wenn man die Fragen ehrlich beantwortet – und nur so ergibt das einen Sinn -, wird man sogleich mit dem nächsten logischen Schritt konfrontiert, nämlich: Was mache ich mit dieser Antwort? Hake ich das Thema ab? Dann hätte ich mir die Beantwortung sparen können.
    Leite ich daraus Maßnahmen ab? Das wäre gut, aber diese wollen gut überlegt sein. Wenn mich die Antwort nachdenklich macht, habe ich schon halb gewonnen.
    Aber eines ist klar. Einfach ist das Ganze nicht. Und es kann durchaus zu größeren Problemen führen. Ich denke da nur an die Frage “Ist der Mensch, neben dem ich aufwache, der, neben dem ich aufwachen möchte?”. So mancher, der aufrichtig für sich mit nein oder eher nein antwortet, steht nun vor der Frage: Und was mache ich mit dieser Erkenntnis? Das gilt natürlich für viele oder sogar alle Fragen und Antworten.
    So denke ich spontan an den Spruch eines ehemaligen Chefs: “Love it, change it or leave it” – ein Ansatz für das Verarbeiten der Antworten.
    In diesem Sinne ganz liebe Grüße
    Giselle Chaumien

    1. Liebe Frau Chaumien,

      der wichtigste Satz, den auch ich mir zur Frage “Leite ich daraus Maßnahmen ab?” immer wieder sage, lautet ähnlich wie Ihrer: “In welchem Maß und in welchem Tempo gehe ich meine Themen an?”

      Die Angebote in diesen 100 Fragen… sind so vielseitig und persönlich, dass wir für uns individuell entscheiden können, womit wir beginnen.

      Zwei Dinge haben mich immer wieder beschäftigt, als ich das Buch durchgearbeitet habe:
      1. Ich kenne einige Menschen, die sich jedes Reflexionmittel mitnehmen, ohne auch nur ein einziges davon wirklich einzusetzen. Alles wird versucht, nichts bleibt hängen oder wirkt. Für die mag es so sein, dass sie sich die Beantwortung auch besser sparten.
      2. Bei einigen Fragen habe ich mir gewünscht, sie früher beantwortet zu haben. Gleichzeitig war mir durchgängig bewusst: Es ist nie zu spät. Im Gegenteil: Lieber heute etwas erkennen und anwenden, als darauf verzichtet zu haben.
      Liebe Grüße
      Petra Schulte

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