Der Spatz in der Hand

gestiftet von Marlene, 7 Jahre
gestiftet von Marlene, 7 Jahre

Willst du den Spatz in der Hand oder doch lieber die Taube auf dem Dach?

Einige meiner Blog-Artikel enthalten Lösungsangebote. In diesem Artikel gilt eine andere Strategie: Ich bitte Sie um Ihre Lösungsanregungen für mich.

Das altbekannte Sprichwort „Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach” findet viele Entsprechungen in unterschiedlichen Sprachen.

Die englische Version lautet “A bird in the hand is worth two in the bush.” = Ein Vogel in der Hand ist besser als zwei im Busch.

In Latein finden wir “Capta avis est melior, quam mille in gramine ruris” – Ein gefangener Vogel ist besser als tausend im Gras.

 

Was kann der Spatz in der Hand?

Für viele Menschen klingt der Spatz in der Hand wie eine Entmutigung, eine Selbstbeschränkung, ein klassischer Bremser und Be- oder Verhinderer. Im Sinne von „Bewahre das bereits Gewonnene, halte fest, was du sicher hast, gib’ nicht leichtfertig her, was dir bereits zu gehören scheint,“ wird daraus ein Sicherheits- und Vorsichtskonzept.

Die Meta-Information lautet: Geh’ keine unnötigen Risiken ein.

Für andere Menschen enthält der Spatz in der Hand die Aufforderung, sich nach dem Dach und der Taube zu strecken, sich anzustrengen und Mühe zu geben, vor allem aber: Sich nicht zu früh mit dem zu kleinen, mickrigen Spatzen zu bescheiden. Diese Anderen lehnen sich gegen Beschränkungen auf und wollen zeigen, was in ihnen steckt.

Im Business kristallisieren sich in der Übersetzung auf den wirtschaftlichen Erfolg weitere Fragen heraus: Welcher Deal lohnt mehr? Muss ich auf den einen zu lasten des anderen verzichten? Welche Entscheidung ist die klügere?

 

House sparrow ( Passer domesticus) at table, ViennaMein Spatz lehrt mich etwas anderes

Der Spatz in der Hand ist keine Frage von Größenordnungen, Quantitäten, möglichen Gewinnen und dem Risiko, etwas bereits sicher gewähntes wieder zu verlieren.

Die Entscheidung über den Griff nach dem Spatz oder der Taube habe ich für mich woanders verortet und lade Sie herzlich ein, dieses Konzept für sich selbst zu überprüfen.

Zum einen bin ich neugierig, inwiefern meine Überlegung Gültigkeit hat. Zum anderen suche ich eine frühe Lösung aus diesem Scheindilemma heraus.

 

Wenn ich mit dem Spatz in der Hand zutun habe, geht es dabei um eine Vereinbarung mit mir selbst und gelegentlich auch eine weitere mit meinem Umfeld. Die Vereinbarung mit mir hat mit meinen Werten zutun. In das Spatz-Taube-Dilemma komme ich aus sozialem Erwartungsdruck heraus und indem ich eine Entscheidung treffe, die nicht ursächlich mit der konkreten Fragestellung und der offenkundig vor mir liegenden Entscheidungsherausforderung zutun hat.

 

Einige einfache Beispiele mögen hier helfen.

Beispiel 1 – Business always comes first.

Die USP-D ist in ihren Gründungsmonaten. Ein plötzlicher Großauftrag nimmt alle Kapazitäten in Anspruch. Wir arbeiten emsig im Team an der erfolgreichen Umsetzung mehrerer Development Center. Involviert sind neben 8 Teilnehmern weitere 8-12 Manager, mehrere HR-Manager und außer mir 5 weitere Kollegen. Zwischen zwei Development Centers stirbt meine Großmutter. Sie war mir eine der wichtigsten Leitfiguren, meine Mentorin und Ikone. Sie war mein Herzensmensch. Die Beerdigung fällt auf den zweiten Workshop. Wien und mein Heimatort sind 929 Kilometer voneinander entfernt. Ich besitze zu der Zeit kein Auto. Mein Lebensgefährte ist gleichzeitig mein Geschäftspartner und involviert in den Workshop. Er rät mir davon ab, die lange Fahrt nach den anstrengenden Tagen noch auf mich zu nehmen. Da der Job immer vorgeht, bleibe ich in Wien.

 

Beispiel 2 – persönliche Opfer für den „großen Auftrag“

Ich habe mit einer langjährigen Weiterbildungsgruppe über das offizielle Programm hinaus regelmäßige 2-tägige Jahrestreffen. Dort zu fehlen, ist völlig unüblich. Wir planen die Termine ein Jahr im Voraus und bleiben zeitlich immer im gleichen Monat. Daran nicht teilzunehmen, entstünde aus schwerwiegenden persönlichen Gründen oder geschäftlichen Zwängen.

Zwei Wochen vor dem 9. Treffen taucht ein möglicher Briefingtermin für einen weltweiten Auftrag durch eine über Bande gespielte Vermittlung am Horizont auf.

Ich will auf meine Gruppe nicht verzichten, doch der Auftrag ist richtig groß und wichtig. Zähneknirschend sage ich dort also ab und fliege mit meinem Geschäftspartner zum Briefinggespräch. Der Termin ist erfolgreich. Die Chemie mit dem Kunden passt gut.

Das Jahrestreffen liegt organisatorisch so weit weg von allen Flughäfen und das Briefing zeitlich so mittendrin, dass ich schließlich auch nicht mehr hinterher reise.

Aus dem Briefing entwickeln wir ein sehr gutes Konzept und werden zur Pitch-Präsentation mit internationalem Publikum eingeladen. Auf der Kundenseite nehmen 12 Personen teil, die Amerikaner sind per Videokonferenz hinzugeschaltet. An diesem Termin ist noch viel weniger zu rütteln, als vorher am zeitlich schlecht gelegenen Briefing.

Für den Präsentationstermin muss ich unsere interne Strategieklausur um einen Tag verkürzen. Die Vorbereitungen laufen abends parallel.

Für interessante Projekte ist uns ja kein Aufwand zu groß: Wir reisen umständlich und teuer aus Mailand an und finden ein übermüdetes, gereiztes Publikum vor, das in dichtem Schlagabtausch einen harten Vormittag hinter sich und gleichzeitig Zeitverzögerungen eingefahren hat. Die Amerikaner haben Schwierigkeiten mit der Bildübertragung, ihr System stürzt mehrfach ab. Die Technik kostet Zusatzaufmerksamkeit, woraufhin einige Unternehmensvertreter ihre Chance für eine Bio-Break erkennen. Weitere Details erspare ich Ihnen.

Vordergründig bleibe ich souverän. Die Präsentation läuft inhaltlich so lala. Unsere wirklichen Pferdestärken wie die Brillanz des Konzepts und unsere Umsetzungskompetenz bringen wir leider nicht auf die Straße.

Der Auftrag geht an einen großen internationalen Mitbewerber.

 

Beispiel 3 – Ausstieg wider willen

Die USP-D interne Weiterbildung, die TLG = Transformational Learning Group, ist ein großes Zweijahresprogramm: Wer drin ist, ist drin und darf nicht fehlen. Gleich im Startmodul gibt es zu diesem Credo lange Diskussionen. Diejenigen von uns, die sich nicht auf die Termine einlassen können, entscheiden sich gegen das Programm. Man muss halt Prioritäten setzen.

6 Monate nach dem Start entwickelt sich ein spannender Auftrag mit Langzeitperspektive. Umfang mehrfach 6-stellig. Die Konzeption wird mit dem Kunden gemeinsam vorgenommen. Sehr früh steht fest, die Präsentation vor der Geschäftsleitung und den Holding-Vertretern liegt auf Tag 2 des nächsten TLG Moduls. Ich verhandle mit dem Kunden um einen neuen Termin, weil ich selbst die Regel der TLG „Drin ist drin“ hart erkämpft habe und weil zwei weitere Kollegen aus dem Programm mit mir zur Präsentation müssen. Keine Chance. Der Termin steht. Wenn wir den Auftrag wollen, fügen wir uns.

Wir buchen 3 Flüge zur Präsentation und zurück. Die Coaches sind gut vorbereitet, sind das Programm immer wieder mit mir durchgegangen, kennen diese Art Konzepte gut und haben sie selbst bereits mitgestaltet und mehrere Jahresgruppen begleitet.

Alles gelingt gut. Wir sind pünktlich vor Ort, besprechen unterwegs noch letzte Feinheiten. Unsere TLG-Gruppe checkt mehrfach telefonisch mit uns, wie es uns geht. Jeder weiß: Diese Präsentation ist für uns sehr wichtig.

Die Präsentation wird schwierig. Inhaltlich sind wir gut, doch der Funke zwischen den Holding-Vertretern und Geschäftsführern und uns springt nicht über.

Feedback am Folgetag: Der Auftrag geht an einen Mitbewerber, obwohl alle Anwesenden sagen, die USP-D liefert das beste Konzept.

Ein Jahr später weiß ich vom Kunden: Die Mitbewerber sind mit dem Auftrag wenig glückvoll und kämpfen um Akzeptanz, Wirkung und ihren Erfolg in den Programmen.

 

Beispiel 4 – Business comes first? Wirklich?

Vor ca. 15 Jahren stirbt der Vater meines Lebensgefährten nach kurzer Krankheit. Unsere Firma ist noch recht jung zu der Zeit. Ich habe mit einem Kunden eine große Förderkonferenz, um den Ausgang eines Jahresprogramms und die Entwicklung der Teilnehmer zu evaluieren. Die Beerdigung des „Schwiegervaters“ fällt in das Hauptzeitfenster der Konferenz. Mein Partner geht zu der Beerdigung. Ich gehe zur Konferenz: „Das kann man doch jetzt nicht absagen! Dort werden die nächsten Jahresgruppen verhandelt.“

Die nächsten Jahresgruppen fallen aus: Der HR-Chef ist in Ungnade gefallen und wird vorzeitig pensioniert. Der neue Vorstand „kauft“ Führungskräfte, statt sie zu entwickeln und will vorerst keine weiteren Investitionen. Einige der involvierten Manager verlassen relativ zeitgleich das Unternehmen, weil sie aufgrund der internen Unruhen rasch andere Angebote annehmen.

 

Was meine Erfahrungen eint

Beispiele dieser Art lassen sich viele finden. Sind Ihnen auch bereits welche aus Ihrem Umfeld eingefallen?

Wofür stehen bei Ihnen Spatz und Taube?

Der Spatz in der Hand – dieses Konzept lässt sich leicht verwechseln mit der Frage nach dem größeren Gewinn, der attraktiveren Errungenschaft, denn so ein Täubchen macht sich im Kochtopf vielleicht besser als das spatzige Leichtgewicht.

Für mich steht der Spatz inzwischen für eine Entscheidung in der Vergangenheit, ein Bekenntnis zu einem persönlichen Wert, zu der Beziehung zu mir selbst. Im Alltag versteckt sich der unmittelbare Zusammenhang zwischen Kernmotiv und aktueller Fragestellung so geschickt hinter wirtschaftlichen Notwendigkeiten und vor allem „klugen“ Business Entscheidungen, dass mir mitunter zu spät aufgeht, was ich gerade gegeneinander eintausche.

Die einfache Bedienung des Taschenrechners ist dabei deutlich zu kurz gedacht.

Die Erinnerung an getroffene Vereinbarungen und die eigene Verbindlichkeit rücken leicht aus dem Blickfeld, weil sich jeder Betroffene verständig und unterstützend zeigt und Rücksicht nimmt.

 

Columba palumbus, WoodpigeonDie Taube auf dem Dach ist attraktiv. Sie mit der Frage nach der Gier, nach dem gewinnbringenden, klügeren Abschluss gleichzusetzen, ist mir viel zu einfach.

Ich bin durchaus risikofreudig und mutig. Doch diese einladenden und an sich unpassenden Tauben übertönen in meiner Wirklichkeit einen sehr einfachen Entscheidungsprozess, der zeitversetzt im Mix mit ganz alten Kernwerten schwer zu orten ist.

Mein Auftrag an mich selbst ist es, im Alltag genügend Reflexionszeit zu finden und neugierig dahinter zu kommen, wieso meine Spatzen auf den ersten Blick wie Sperlinge aussehen und dann tatsächlich Sperlinge sind, um dann deutlich geschickter und wendiger zu fliegen als jede Taube.

 

Leichtfertig oder nur einfach Geschmacksache? 

Die Beispiele oben lassen sich unterschiedlich lesen und interpretieren. Mich beschäftigt der Spatz in der Hand seit über 40 Jahren. Um diesen Beitrag schleiche ich seit Wochen herum, habe ihn immer wieder begonnen und gezweifelt, ob ich die angeführten Beispiele überhaupt zeigen soll. Der vorerst verpasste formale Abschied von meiner Großmutter hat selbstverständlich zu Ersatzhandlungen geführt. Wie so oft ist Ersatz eine Kompensation. Kompensationen sind teuer. Ein Teil ihres Preises ist, dass sie den “moment of truth” nicht wieder zurückbringen und damit etwas offen bleibt.

Beobachte ich Manager, wie sie Business und Privates immer sauber trennen, erkenne ich, dass sie mitunter selbst in diesem Dilemma gefangen sind, es jedoch über ihre Prinzipien lösen, die sie laut wie ein Mantra einsetzen.

Damit ist es jedoch nicht getan. Es geht am wenigsten darum, aus Prinzip die Regel “First come, first served” oder “Private always comes first” zu befolgen. Ebenso wenig hilft die rechnerische Antwort nach dem strategisch wichtigeren Ergebnis.

 

Ein altbekanntes Sprichwort als Entscheidungshilfe? 

Ob Business oder privat: Habe ich eine Herzensentscheidung getroffen, kipp’ ich sie nicht für eine scheinbar lukrative Business Option. Meine Erfahrung zeigt, es wird mir am Ende leidtun.

Wie groß ist der Sprung hoch zur Taube? Wie groß ist das Risiko, beide Vögel zu verlieren? Wie hoch ist der Preis, den ich für den vordergründigen Gewinn zahle?

Meine Lehre für mich heißt laut: Frag’ dich, was ist dir wirklich wichtig, denn das ist es, was am Ende zählt.

 

Als hätte das Universum schon die ganze Zeit über mich und mein braves Streben nach einer einfachen Formel gelacht, präsentiert sich gerade heute

Beispiel 5 – First come, first served?

Es gibt einen Montag im kommenden Monat, den ich 3x gleichzeitig „verkaufen“ kann. Zuerst einmal bin ich mit einem neuen Coachingklienten verabredet und freue mich sehr auf diese erste Arbeitseinheit. Jetzt könnten Sie sagen: “Sie werden doch wohl einen neuen Termin miteinander finden!” Ja? Nein.

Am gleichen Tag haben wir mehrere Hundert Kilometer entfernt eine Wettbewerbspräsentation. Die Distanz lässt sich zeitlich fliegen. Dennoch stresst mich diese Koinzidenz. Das Publikum ist vielköpfig, hochrangig und zeitlich schwer zu koordinieren. An dem Auftrag arbeiten wir schon sehr lang.

Auf meinem heutigen Rückflug nach Wien entdecke ich mit Freude die Anfrage für einen mehrtägigen Workshop bei einem bestehenden Kunden. Das Zielpublikum ist mit teils bekannt und hat sich im Vorfeld bereits für mich entschieden. Die Gruppe ist sehr international aufgestellt, von der Personenkonstellation interessant und in ihrer Firma auch sehr wichtig. Ein reizvoller Auftrag, wenn wir ihn bekommen. Und entschieden, wie Manager gern sind, haben sie gleich den Termin fixiert: Der Workshop beginnt an besagtem Montag…

Tja…, was raten Sie mir?

 

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11 thoughts

  1. Faszinierendes Thema. Der Spatz in der Hand gibt uns Sicherheit. Die Taube auf dem Dach erlaubt uns das Streben nach dem großen Erfolg/Glück. Es sollte in unserem Leben Raum für beides sein. Allerdings betrachtet jeder von uns vielleicht etwas anderes als Spatz und als Taube. (Nach dem Motto: Wat dem Eenen sin Uhl, is dem Annern sin Nachtigall.)

    Wenn ich das richtig verstehe, haben Sie sich in den ersten 4 Fällen (die 5. Entscheidung wurde nicht genannt) jeweils für die Taube, sprich das größere Geschäft, entschieden. Allerdings haben Sie in keinem der Beispiele die Taube wirklich gefangen. Das ist sicher nicht ungewöhnlich, ich vermute, um einen großen Auftrag zu erhalten, muss man sich für sehr viele mehr bewerben.

    Was mir aber wichtiger erscheint, sind die genannten Regeln („Da der Job immer vorgeht, bleibe ich in Wien.“ „Drin ist drin“ und „Business comes first“). Ich stimme zu, dass einmal eingegangene Verpflichtungen nicht aus fadenscheinigen Gründen abgesagt werden sollten. Derartig rigide Regeln würde ich allerdings nicht aufstellen, weil sie den Menschen die Möglichkeit nehmen eine eigene Entscheidung über die Wichtigkeit der Dinge zu treffen bzw. ein schlechtes Gewissen erzeugen, wenn man sich trotz der Regel anders entscheidet. (Sie haben sie dann doch über Bord geworfen und die Aufträge gingen an andere. Möglicherweise, weil Sie nicht mit ganzem Herzen bei der Sache waren.)

    In Beispiel 5 wird das Dilemma besonders deutlich. Leider kann ich Ihnen keine Lösung anbieten, die alles möglich macht. Sie geben allerdings selbst ein paar Hinweise auf Ihre Präferenz:
    Der erste Termin mit einem neuen Coachingklienten „… freue mich sehr auf diese erste Arbeitseinheit.“
    Der zweite Termin erscheint mir eher stressbesetzt „Dennoch stresst mich diese Koinzidenz. Das Publikum ist vielköpfig, hochrangig und zeitlich schwer zu koordinieren. An dem Auftrag arbeiten wir schon sehr lang.“ (Klingt eher nach Pflichtübung. In den übrigen Beispielen ging genau diese Art von Terminen nicht so gut aus.)
    Der dritte Termin (der auch eher positiv geschildert wird) kommt leider zu spät, auch wenn er vielleicht schön gewesen wäre. Zuletzt noch so ein Spruch: „Man kann nicht alles haben.“
    (Ich hoffe, dass meine Gedanken jetzt nicht zu lang ausgefallen sind. Sie haben eine Gabe zum Nachdenken anzuregen.)

    1. Huch…, so ein langer Kommentar. Dabei hatte ich Ihnen gerade auf Ihre gmail geschrieben, doch mein Text geht erst raus, wenn ich abends auf meinem privaten Server bin.
      Danke für die große Mühe, die Sie sich hier machen. Ihre Kommentare UND Ihr Echo auf mein Beispiel 5 finde ich sehr wertvoll. Da ist nix zu lang.
      Beispiel 5: Der 2. Termin ist aber leider wieder einmal ein Gesamtprogramm für viele Jahre, das für ca. 500 Führungskräfte gilt. Das Investment von vielen Meetings, jahrelange Kundenpflege und die Auslastung einiger Kollegen sind daran gekoppelt. Es sieht jetzt so aus, als verschöbe sich bei Termin 1 die Location, so dass der Flug nicht mehr sein muss und wenigstens die beiden zusammen passen. Ansonsten hätte ich beinhart an 1 festgehalten – schon aus den Lehren der letzten Jahre heraus.
      Mit dem Herzen bei der Sache: Doch. Bin ich immer. Viel zu sehr. Ich habe in der Vergangenheit aber immer wieder den Fehler gemacht und die Kollegen zu spät aktiviert. Durch Ihren Hinweis mit dem Herzen nicht ganz bei der Sache, weiß ich, dass ich HEUTE den Ball weiter spiele und auch gleich mit expliziten Erwartungen dekoriere.

  2. Ein spannendes Thema, liebe Frau Schulte, das zum nachhaltigen Reflektieren anregt. Danke dafür.
    Tja, was tun, wenn der nette kleine Spatz in der Hand piept, während die dicke fette Taube mit ihrem silbergrauen Gefieder auf dem Dach sitzt und verlockend gurrt? Rückblickend kann ich sagen, dass ich in wenigen Fällen für den Spatz und viel öfter für die Taube optiert habe. Warum? Mein Bauchgefühl sagte mir, es sei richtig. Nicht die Gier, nicht die Lust an “mehr”, sondern die Herausforderung war das Entscheidende. Nicht immer ist es gut gegangen, das eine oder andere Mal hat sich die Taube als Flop erwiesen. Pech? Nein, denn ich war trotzdem um eine Erfahrung reicher – und schließlich geht es doch im Leben darum oder?
    Ihre Entscheidung im 5. Fall kann Ihnen niemand abnehmen. Aber ganz sicher wird Ihnen Ihr Bauchgefühl den “richtigen” Weg aufzeigen. Ich drücke Ihnen die Daumen.
    Liebe Grüße
    Giselle Chaumien

    1. Oh ja! Danke, liebe Frau Chaumien, Sie haben sehr Recht. Spannend haben sich in einem gestrigen Business Gespräch auch andere Spatzen sehr schön herausgestellt: Loslassen und abrechnen, statt Türen offen zu halten, durch die außer Luftzug nur Energie entschwindet und Störungen hereinkommen. Der Vater meiner Titelbild-Stifterin hat mit mir herausgearbeitet, wo meine Voliere bereits klug und richtig bereinigt wurde. Sehr befruchtend.
      Fall 5 scheint sich gerade sehr positiv zu fügen. Ich melde das Ergebnis noch zurück.

  3. Liebe Frau Schulte

    ich finde es spannend zu sehen, wie das Leben immer wieder solche Cluster baut, wie Entscheidungen gefordert werden. Und immer wieder neue Lösungen nötig sind, wobei Leitlinien wie “first come, fist served” helfen. Oder der Umgang mit Tauben und Spatzen immer wieder neu tariert werden muss. Spatz fliegenlassen für die Chance auf die Taube?
    Oder viele Spatzen sammeln?

    Für den besagten Montag scheint das Leben ja eine leiche Entspannung anzubieten mit dem Wegfall des Fluges. Dennoch, eine schwere Frage:

    Ohne die Bedeutung des 3. Termins einschätzen zu können, würde ich den 1. Termin halten, und nun mit dem 2. Termin kombinieren. Nummer Drei muss auf Sie verzichten, und mit einem Kollegen der USP-D vorlieb nehmen.

    Warum:
    Termin 1 steht schon länger, es ist der erste Termin. Sicher kann man auch den Auftakt verschieben, aber es bringt eine bestimmte Grundschwingung hinein, etwas beliebiges.
    Termin 2 ist wichtig, nun leicher zu machen, da das Flugelement wegfällt. Und ich nehme an, Sie sind da nicht alleine, so dass der Wechsel Coaching – Präsentation auch machbar erscheint.
    Nummer 3 – klingt so, als ob es kundenseitig nicht verschoben werden kann.Es wird gute Gründe geben. Aber auch Topmanager verstehen, dass kurzfristige Terminvorschläge nicht immer passen, dass dann eben der gewünschte Gegenpart nicht immer verfügbar ist. Zu einer authentischen Beziehung gehört auch, dass mein Geschäftspartner nicht immer verfügbar ist, dass mein Wunschtermin schon vergeben ist. Ich erwarte ja auch, dass mein Termin nicht für jemanden “besseres” abgesagt wird. (Das ich eben nicht der Spatz in der Hand bin, sondern die Taube, nach der man sich streckt.)

    Daher hoffe ich, dass Kunde Nummer 3 versteht, dass er die Chefin nicht bekommen kann, weil diese eben einen anderen Kunden ebenso wichtig nimmt, wie er sich das für sich wünscht.

    Auf jeden Fall wünsche ich gute Lösungen, und viel Erfolg bei allen Terminen.

    Christoph

    1. Lieber Christoph, ja. Das ist der springende Punkt: “Daher hoffe ich, dass Kunde Nummer 3 versteht, dass er die Chefin nicht bekommen kann, weil diese eben einen anderen Kunden ebenso wichtig nimmt, wie er sich das für sich wünscht.”
      Kunden sollen sich immer wertgeschätzt fühlen und auch den evtl. Verzicht als Wertschätzung erleben.

      1. Nachtrag:
        Termine 1 + 2 sind inzwischen gut hintereinander gelegt.
        Termin 3: Kollegen dürfen übernehmen. Das hat sich jetzt geklärt.
        Beliebigkeit ist das Letzte, was ich jemandem explizit oder implizit vermitteln möchte.
        Danke für den Hinweis. Da fühle ich mich gut “gelesen”.

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