Die unverzagten Unternehmer – Kernkompetenz: Menschenliebe

Glücklich
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Kernkompetenz Menschenliebe: Mit diesem Untertitel ist schon das Wichtigste gesagt.

Sie wollen mehr wissen?

Wer in die Welt der Einzelhändler, Kleinunternehmer, Handwerkermeister und Dienstleister einsteigt, wird bald lernen, welch großes Abenteuer vor ihm liegt.

Sie stehen vor Ihrem Lebensmarathon.

Überlegen Sie sich gut, ob Sie ihn, den Lebens- und Meisterschaftsmarathon, wirklich noch in diesem Leben angehen wollen. Wenn Sie für ein paar ausgeprägte Leidenschaften oder professionelle Kompetenzen brennen, kann er Ihr schönstes Abenteuer werden. Allerdings sollten Sie eine weitere Leidenschaft mitbringen: Die Liebe zu den Menschen.

 

Welche Qualifikation bringen Sie mit?

Worin sind Sie ausgezeichnet und herausragend? Sie sind ein guter Koch? Sie lieben Wolle, Garne, Strickmuster? Einrichtungen und Beleuchtungssysteme sind Ihre Passion? Sie besitzen ein kleines Taxiunternehmen? Ihre eigene Schuhmacherwerkstatt hat bereits erste Stammkunden? Sie sind Architekt, Unternehmensberater, Webdesigner oder Bäcker?

Welches Handwerk auch immer Sie anstreben oder bereits vertreten, Ihre eigentliche Qualifikation mag Sie in Ihren Beruf gelockt haben. Sie allein wird Sie jedoch nicht darin erfolgreich machen oder in ihm zufrieden halten. Ganz im Gegenteil: In Ihrem fachlichen Erfolg und Ihrem Leistungsanspruch an Ihre berufliche Identität liegt gleichzeitig die Einladung für Ihr Versagen. Doch davon etwas später und auch davon, wie sie ihm entgehen.

 

Handwerk hat goldenen Boden

Die Gruppe der Kleinunternehmer, Unternehmer und Einzelkämpfer aus Passion ist groß und wächst weiterhin. Sie kann alles und tut alles. Sie dürfen sich hier viele Berufsbilder als Beispiel wünschen. Ob Sie in diesen Bildern Ihrem Friseur oder Ihrem Zahnarzt begegnen – der akademische Grad täuscht höchstens oberflächlich eine Differenzierung vor und gleichzeitig über einen deutlich verbindenden Faktor hinweg: Alle Professionisten, handwerklich, künstlerisch oder produzierend ambitioniert, teilen ihre Leidenschaft für ihren Beruf.

Sie unterscheiden sich allerdings sehr bald überzeugend in ihrer Doppelkompetenz: Sie lieben ihr Handwerk und sie lieben die Menschen. Diese einzigartige Kombination schafft den wirklich goldenen Boden. Fehlt sie, erleiden die Meister ihres Faches oft eine langfristige, tiefe Enttäuschung.

 

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Der Handwerker aus Leidenschaft und der Engpass der Experten

Eine Profession zu beherrschen und sie in unermüdlicher Kleinarbeit zu verfeinern, ist nur der halbe Einsatz zum Erfolg. Sind Sie in ihrem Beruf halbwegs tüchtig und gründlich, finden Sie sehr rasch Publikum, das mehr von Ihnen will und nach einer Zugabe dürstet.

Sie lassen sich auf befruchtende Arbeitsbeziehungen ein und können Ihr Glück kaum fassen, wenn sich der Erfolg einstellt. Jedes Stück Maßarbeit wird belohnt und führt zu weiteren Kunden und zu wachsender Sicherheit und Befriedigung. Die Arbeit wird mehr, Sie müssen sich noch mehr anstrengen und genießen diese Mühe der investierten Nächte und Wochenenden, denn sie beweisen nur, Ihre Tüchtigkeit lohnt sich. Qualität setzt sich immer durch.

 

Natürlich gibt es auch die Meister, die ihr Können rasch vervielfältigen. Sie ziehen zügig und strategisch klug einen Stab von Mitarbeitern zu ähnlicher Qualität heran. Wieder andere Meister gehen mit ihrer Kunst sehr bald in Serie und in die effiziente Großproduktion. Ladenketten entstehen, Franchise- und Filialsysteme breiten sich aus und belegen das Erfolgskonzept des Gründers. Aus dem Handwerksbetrieb wird ein Produktionsunternehmen und aus der kleinen Kanzlei eine große Sozietät.

Diese Form der Industrialisierung oder Professionalisierung ist Ausweg Nummer 1 aus der Falle der Frustration. Handwerker, Meister, Professionisten oder Kleinunternehmer, die ihr Unternehmen sehr rasch vergrößern, wenden ihren Fokus dem Wachstum, der Standardisierung, der Professionalisierung und der Effizienz zu. Damit sind sie aus dem Einzelkontakt zum Kunden weitgehend heraus und erleben nicht mehr so stark, welche Wirklichkeit den Berufskollegen drohen kann, die weiterhin in der Spezialdienstleistung bleiben. Ihr unternehmerisches Interesse schützt sie vor unerfüllten Feedback- und Begeisterungserwartungen, die aus der Einzelanfertigung und dem Umgang mit Laufkundschaft erwachsen können.

 

Mit welchen Kernkompetenzen wollen Sie an den Start gehen?

Kommen wir noch einmal zum Marathon als Bild zurück. Wer von Ihnen bereits einen halben oder ganzen Marathon gelaufen ist, weiß aus eigener Erfahrung: Allein Ihr leichtes Gewicht, Ihre Ausdauer, Ihr Lauftraining, Ihre Ausrüstung reichen nicht für die Zielgerade und schon einmal gar nicht für eine gute Wettkampfzeit. Sie brauchen eine Vision, ein klares Erfolgsbild, die Zähigkeit, an ihm dran zu bleiben, schwache Momente, Krämpfe und Durststrecken zu überstehen.

Die Kombination aus physischen, mentalen und auch emotionalen Voraussetzungen ist erfolgsrelevant. Vor allem müssen Sie Ihren inneren Schweinehund oder Versagenseinsager zähmen können. Die beiden sind ein trickreiches Team, denn sie schleichen sich von hinten an, wenn Sie nicht mit ihnen rechnen und sich gerade ganz besonders auf Ihren Erfolg konzentrieren müssen.

 

Die Regeln, nach denen wir spielen

Ausweg Nummer 1 – das Wachstum und die Widmung zur Wirtschaftlichkeit – steht uns allen offen, wenn es uns zum erfolgreichen Unternehmertun zieht.

Als wichtigste Voraussetzungen für jede Form von Selbständigkeit und Wirtschaftsform gelten ganz besonders bei den Kleinunternehmern:

  1. Beherrschen und benutzen Sie die 4 Grundrechenarten. Wer nicht rechnen kann, verliert. Addieren und subtrahieren – das mag Ihnen wie ein Scherz vorkommen, doch das Geheimnis dahinter heißt Überblick, Genauigkeit, Kalkulation und langer Atem. Darüber hinaus wird es bei der Multiplikation komplexer: Sie spricht nur vordergründig von einem Mehr an Umsatz, Absatz, Kosten und Gewinn. Darüber hinaus sollten Sie allerdings Ihr Können, Ihre Kontaktfläche zum Kunden, Ihre Skills multiplizieren, indem Sie Mitstreiter gewinnen. Und mit diesen beginnt Grundrechenart Nummer 4: Das Teilen. In meinem Beispiel teilen Sie Wissen, Kompetenz, Lorbeeren, Reputation, Vision und Fokus – und damit schließlich wieder den Erfolg.
  2. Know your business! Wir beginnen mit dem direkt verbundenen Wissen um Ihr Produkt und Ihre Leistung und steigern uns schließlich zum Interesse an den angrenzenden Themengebieten. Kunden, die Meister aufsuchen, wollen von diesen umfassend beraten werden. Sie bringen besondere Wertschätzung mit, wenn sie im wirklichen Dialog erleben, dass ihr Gegenüber noch wesentlich mehr zu bieten hat, als den direkten Arbeitskontext. Zu “know your business” gehört dann auch: Know your benchmark! Sie sollten Ihre Branche kennen und Ihre eigene Kernkompetenz im Benchmark einschätzen können. Noch mehr schätzen Kunden nämlich, dass Sie sich unter den Meistern Ihres Faches auskennen und zu deren Besonderheiten bei Bedarf eine wertschätzende, differenzierende Meinung haben. Sie wollen wissen, worin die Unterschiede liegen, um sich umso entschlossener für Sie zu entscheiden.
  3. Klären Sie Ihre Motive. Niemand macht Ihnen eine Umwidmung oder Neuorientierung nach erfolgreichen Jahren streitig, wenn Sie feststellen: Nicht das Leder zieht mich zum Schuh, sondern der große Stammkundenkreis zieht mich zum Ruhm. Stellen Sie fest, die stadtübergreifende Attraktivität Ihrer rahmengenähten Budapester hat mehr Sexappeal als die stundenlange Beratung des unentschiedenen Kunden, schicken Sie lieber einen Ihrer Mitarbeiter in das Kundengespräch. Ihr Auftrag scheint es eher zu sein, die Reputation Ihres Unternehmens zu pushen.
  4. Streben Sie nach weiterer Steigerung in Ihrem Kernanliegen. Durchhaltevermögen, Fleiß, immerwährende Neugier auf den nächsten Schritt, auf neue Wege und neue Qualitäten halten Sie in Balance mit der Belastung des Business und vermitteln Ihnen immer wieder Perspektive. Daraus erwächst die im Markt notwendige Weiterentwicklung. Die Suche nach Ihrem Fokus und die hartnäckige Kurskorrektur gehören zum ewigen Lernen.

Die Punkte 1-4 waren das Prélude. Jetzt stellen Sie sich am besten die eine wichtige Frage:

Interessiere ich mich für Menschen?

 

Regel Nr. 5 heißt: Bleiben Sie im Kontakt mit den Menschen, wenn Sie Ihre Profession wirklich lieben und sie mehr als ein Mittel zum Erfolgszweck ist. Sie werden nämlich bald feststellen, dass es völlig OK ist, sein eigenes Business zu beherrschen und in ihm hervorragend zu sein.

Ihre fachliche Kompetenz schützt Sie vielleicht drei bis fünf Jahre davor, Gäste, Kunden, Klienten, Patienten immer willkommen zu heißen, statt sich von ihnen genervt, ausgebeutet, missbraucht, falsch behandelt oder über den Tisch gezogen zu fühlen.

Wieso das so ist? Ach, das ist einfach. Gehen Sie davon aus, dass die Menschen Ihre Kunst, Ihr Handwerk, Ihre Leistung mit anderen Augen sehen als Sie und Ihre Anstrengung unterschätzen. Sie legen ein völlig anderes Maß an.

Der Experte geht leicht davon aus, dass seine Kunst, sein Handwerk, seine Leistung wichtiger ist und stärker im Zentrum des gegenseitigen Handels steht, als der in diesen Handel involvierte Kunde oder Klient. Dieser interessiert sich vielleicht noch für den Entscheidungsprozess während des Kaufes, doch danach vor allem für das Ergebnis des abgeschlossenen Handels. Ist er dem kostbaren Produkt eines Handwerks oder einer Dienstleistung erlegen, bleibt in seinem weiteren Erleben neben dem Besitz oder der erfolgreichen Problemlösung Ihres gemeinsamen Geschäftsfalles immer auch der dafür erbrachte Geldwert präsent.

Wenn Sie wirklich etwas arbeiten wollen, was für andere einen Unterschied generiert und Ihnen selbst in der Vollendung Ihres Tuns und später im Kontakt mit dem Kunden, Käufer oder Patienten tiefe Zufriedenheit vermittelt, lassen Sie eine grundlegende Liebe zu den Menschen in sich entstehen.

Unsere Arbeit ist per se immer den Menschen gewidmet. Der Schuhmacher will, dass Menschen sich tagein und tagaus von seinen Schuhen gut getragen und begleitet fühlen.

Der Architekt erschafft Gebäude, in denen Menschen leben, wandeln, verweilen. Er fügt es in eine Umgebung ein, die wieder eine Wirkung auf Menschen hat. Der Goldschmiedemeister sieht bei seiner Arbeit den Schmuck an einem späteren Träger. Der Zahnarzt sieht mehr das Gesamtkonzept gut funktionierender Zahnreihen als den Rechenwert der neuen Jacketkronen.

 

 

Was stärkt den unverzagten Unternehmer?

Sie wollen nicht zu der Gruppe der ernüchterten, verärgerten, frustrierten und verbitterten Einzelhändler, Berater, Friseure, Taxifahrer zählen, die jedem Fremden unterstellen, er wolle ihnen übel mitspielen? Sie wollen nicht den Spruch “Kunde droht mit Auftrag” über sich geäußert hören?

Dann sehen Sie jeden neuen Kunden als ein mögliches Projekt, das in Ihnen keine Routine abruft und rasch professionalisiert und “abgewickelt” wird, sondern Sie neu inspiriert. Sehen Sie den Kunden viel lieber mit den Augen eines Möbeltischlers, der sich bei der Erstellung einer Kommode vorstellt, wie die neue Besitzerin mit der Hand über die seidige Oberfläche fährt und ihre holzige Struktur und Wärme genießt. Oder denken Sie an einen guten Friseur, der bei seinen Stammkunden ein optisches Konzept verfolgt, sich anlassbezogen besonders viel Mühe gibt und sie vor modischen Irrtümern und albernen Experimenten bewahrt.

Mein Wiener Friseur verlangt für seinen Service an mir 38,50 Euro mehr als der Friseurmeister in meiner Düsseldorfer Straße. Dafür setzt er sich mit mir auseinander. Sein Kommentar zu diesem Blog-Beitrag: “Ich musste vor zwei Wochen für zwei erkrankte Kollegen einspringen. Jahrelang habe ich hauptsächlich meine Stammkunden betreut. Ich war morgens richtig aufgeregt auf dem Weg ins Geschäft. Ich hatte dann wirklich sympathische Leute, die ich vom Sehen kannte und auf die ich mich trotz meiner Nervosität einlassen konnte. Das hat mir wirklich gut getan.”

Ich selbst kann dazu beitragen: Meine Arbeit ist mein Traumberuf. Ich erlebe ihn oft als anspruchsvoll, wenn die Projekte in ihrer Unterschiedlichkeit die involvierten Menschen an ihre Grenzen bringen und sie in starke Widerstände treiben. Damit bin ich wirklich in meiner langjährigen Kompetenz, meiner ganzen Stärke und meiner vollen Hinwendung gefordert. Ich benutze dabei keine Lieblingstätigkeiten und trotz viel Erfahrung ebenso wenig Schubladenkonzepte, sondern ich spüre immer wieder ganz deutlich, Beratung dient einzig dem Menschen und gelingt nur mit dieser gewissen Liebe zum Menschen.

Die unverzagten Unternehmer – das sind die, die trotz Marathonkrämpfen, Gegenwind und immer neuer Ansprechpartner ihre Kunst bewusst mit und für ihre Kunden verfolgen.

 

 

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One thought

  1. Verstehe. Ja. Sehe ich genauso. Es sind also nicht die Lieblingsunternehmen sondern die LieblingsunterNEHMER. Der Erfolgsweg ist halt oft sehr lang, anstrengend und mitunter durch ein paar kleinere Fallen gut getarnt.

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