Journal_46 – Einfluss des VÄJ

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Mein Journal – 22. Mai 2016_46 – Pro und Kontra des VÄJ in meinem Alltag

Wer erinnert sich noch? Zum 1. Oktober 2015 habe ich mit der neuen Routine des Veränderungsjournals begonnen und mit Journal 39 und Journal 44 bereits zweimal Zwischenbilanzen gezogen.

Meine Ressentiments gegenüber der Genialität dieses Buches haben sich nicht gelegt. Meine Toleranz gegenüber den Impulssätzen ist allerdings gewachsen. Ich halte sie aus und gewinne einigen von ihnen sogar recht viel ab. Die tägliche Reflexionsarbeit tut ihre Wirkung – auch negativ, aber vor allem positiv.

 

Zwei Drittel sind geschafft

In knapp zehn Tagen, am 1. Juni, habe ich 2/3 des VÄJ-Jahres hinter mir. Längst ist es an der Zeit, einen aktuellen Statusbericht und eine Reflexion der letzten Erfahrungen zu formulieren.

Ich hatte so meine Tiefs mit dieser Tagesübung aus Vorschau, Rückschau und täglicher Selbstdisziplin. Im Februar musste ich das Offensichtliche einsehen: das VÄJ hält mich vom Schreiben ab und entzieht mir abends die letzte Energie. In Kombination mit ein wenig Sport rutschte mir jeder einzelne Abend durch die Finger. Mühsam schleppte ich mich durch den März, um mir im April endlich eine Phase des „VÄJ, du kannst mich mal“ einzugestehen.

Nein. Kein “ich-will-nicht-mehr”, sondern nur dieses plötzliche Aufbegehren gegen die mahnende Stimme der Routine und die Logik der durchnummerierten Tage. Inhaltlich gab es dafür keinen augenfälligen Grund. Die Tagesimpulse waren genauso hilfreich und anregend oder aber banal bis sinnbefreit wie seit meinem Start im Oktober.

 

Müde und aus?

Der Gedanke, wirklich mit dem VÄJ mittendrin aufzuhören, lauerte in weiter Ferne versteckt in einem Echo aus anderen Jahren: “Du willst Ballast abwerfen, lad’ dich nicht so voll. Der Tag hat 24 Stunden.” Gerade dazu dient mir das VÄJ: Ballast abwerfen. Mit ihm trenne ich die Spreu vom Weizen. Also habe ich die Krise betrachtet, habe sie zwei oder drei Male halbherzig verhindert, um ihr letztlich 10 Tage nachzugegeben. Fürs Erste scheint sie überwunden zu sein.

Mit Journal_44 fasste ich den Vorsatz, mich täglich nur noch kurz und knapp mit meinen VÄJ-Reflexionen zu befassen. Die herausgearbeitete Interdependenz zwischen Impulssatz und täglichem Handeln sollte mir reichen. Das ließ sich kaum umsetzen und wirkte auf mich künstlich und zurechtgebastelt – von Zeitersparnis keine Spur. Die scheinbare Meta-Erkenntnis ging nur zu Lasten wirklicher Inhalte.

 

Heute ist Tag 234 von 365

Wie schon in Journal_39 festgestellt, ist das VÄJ harte Arbeit. Mitunter macht es nur bedingt Spaß. Das VÄJ hat sehr unterschiedliche Einflüsse. Schlecht und wirklich zu bedenken finde ich den hohen Zeitaufwand. Ebenso reibe ich mich an manchen Formulierungen. Das “Sie tun”, “Sie lassen”, “müssen Sie” übersetze ich in “ich tue”, “ich lasse”, “ich will” und drehe manches Wort hin und her, bis es passt.

Mühsam finde ich, dass ich mir den Impulssatz des aktuellen Tages vom Vorabend nicht in den richtigen Tag retten kann. Mein gut trainiertes Gedächtnis will diese Leistung nicht erbringen.


Karten_VÄJ_geradeEin Trick:
Ich schreibe mir den Satz auf eine Karteikarte, die in meinem Arbeitsjournal steckt. Früher waren es riesige Post-Its, die meine Wohnung schmückten, dann von mir ostentativ ignoriert und als Raumgestaltung abgehakt wurden. Wenn ich den Impulssatz morgens nicht mehrfach lese, existiert er nicht. Habe ich den Satz in der Tasche, ist der Zusammenhang mit meinem Tag abends greifbar.

 

Vorsätze und Umsetzung

Im 1. Oktober 2014 habe ich mir Dinge vorgenommen habe, die vordergründig nichts mit meinen bisherigen Ergebnissen zu tun haben. Hier ist sehr viel mehr weitergegangen, als ich vor über 200 Tagen vermutet hätte. Journal_39 klingt leichter, fröhlicher, motivierender als meine heutige Schilderung. Ich bin selbst überrascht. Wenn ich mir gute Laune und Leichtigkeit vom VÄJ versprochen habe, sind mir stattdessen vor allem Klarheit, Fokus und Wirksamkeit begegnet. Diese drei Komponenten sind Geschenke. Sie machen allerdings das Leben nicht umgehend fröhlicher oder leichter. Sie machen es für mich zur Zeit wertvoll. Das kann wiegen.

 

Also weiter mit den Einladungen des Lebens

Die unterschiedlichen Phasen des VÄJ bergen interessante Wahrheiten und Verknüpfungen. Die Impulssätze als Einladungen des Lebens gewinnen Kraft, wenn ich sie ihnen zugestehe. Die kürzeren Sätze wie “Müssen verhindert Wollen. Und ohne Wollen kein Können.” können mehr, als die langatmigen, 5-6-zeiligen Beschwörungen: So simple, so true? Finden Sie es selbst heraus.

Was mir gefällt: Ich bin morgens sortiert und abends zufriedener mit meinem Tag. Also will ich trotz der enormen Anstrengungen nicht davon lassen. Mir gefällt die Auseinandersetzung, auch wenn es darüber spät wird.

 

Was bleibt

Ich habe die tägliche Schreibarbeit schätzen gelernt und bemühe mich, sie vor Mitternacht erledigt zu haben. Das gelingt mal mehr, mal weniger.

Es ist lohnenswert, den Tag vor dem Hintergrund eines Statements zu beleuchten und abends zuzuordnen, wo ich mich verloren habe oder habe ablenken lassen. Meine Favoriten heißen nach wie vor: “Wofür bin ich heute dankbar?” und “Meine magischen Momente”. Diese beiden letzten Parts des VÄJ entlocken mir regelmäßig ein Lächeln. Ich fühle mich gut, wenn ich im Tagesverlauf oder in meinem eigenen Verhalten oder der Handlung eines anderen etwas Unerwartetes erkenne, über das ich mich freuen darf. Die magischen Momente wiederum sind oft kurz. Wichtig ist: Sie finden statt und ich erkenne sie.

 

Vor mir liegen noch 131 Tage. Den heutigen werde ich jetzt rasch abschließen: Vor Mitternacht.

 

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