Journal 2015_17 – Mut zur (Un-) Vollendung

Freundliche Sonntagsgedanken
Freundliche Sonntagsgedanken

Mein Journal – 9. August 2015_17 – Der oder das Blog?

Hauptsache nicht perfekt!

Wiki sagt: Der oder das Blog /blɔg/ oder auch Weblog /ˈwɛb.lɔg/ (Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch) ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt…

 

Mein Lernen der letzten Wochen: Sei bloss nicht perfekt und komplett oder umreiße ein Thema in seiner Vollständigkeit. Mein ordnungsliebendes Wesen ergeht sich in perfektionistischem Bemühen um beste Qualität. Alle Punkte eines Themas jagen einander in meinem Kopf und erzeugen ein hohes Tempo. Manch ein Text, der für die Länge einer Seite gedacht ist, franst plötzlich aus und wird viel länger. Mit enormer Disziplin fange ich einzelne Aspekte ein, ergänze, schließe Abschnitte, korrigiere wieder und wieder. Das ist ein mühsames, gleichwohl lustvolles Unterfangen, weil mir das Schreiben und vor allem die Brüterei über meinen selbstgewählten Aufgaben neben der Anstrengung auch Freude bereiten.

Vollständigkeit = etwas zu Ende denken, gut erfassen, in seiner Gänze umreißen, alle relevanten Elemente abgreifen, eine Thematik ordentlich abarbeiten = Qualität

Das ist niedlicher, naiver Blödsinn, sage ich heute nach der Erfahrung der letzten Monate. Diesen Standpunkt mag ich vom Blog auf andere Medien erweitern.

Ob Emails von meinen Freunden, Hinweise von Kollegen oder die ersten wenigen Kommentare auf meiner Seite – alles dokumentiert: Ich kann mir noch so viel Mühe geben, andere haben immer noch ein paar Erfahrungen, die meine toppen, die meine Ausführungen mit sehr griffigen Beispielen bestätigen, die meine Sichtweise ergänzen, aus denen ich weiter lerne. Am Anfang hatte ich 1-2x den Gedanken: Wieso bist du nicht selbst darauf gekommen?

Diese innere Rechtfertigungs- und Entfähigungseinladung habe ich sehr rasch von meiner imaginären starken Schulter geschubst. Je sorgfältiger ich arbeite, desto lieber ist es mir:

Setzen Sie bitte noch einmal einen Punkt drauf.

Hätte ich die Chance auf Perfektion, gäbe es außer Zustimmung und Ablehnung nur noch wenig Raum für Auseinandersetzung und Klärung. Wo blieben die Anregung, der Diskurs, die persönliche Positionierung zu meinen Ausführungen? Wenn ich wundervolle Bücher lese, Filme schaue oder Musik höre, berührt mich am ehesten und nachhaltigsten das Werk, das Fragen in mir aufwirft und mich darüber für eine Weile nicht mehr in Ruhe lässt.

Seien Sie mir willkommen und kennen Sie sich besser aus als ich.

Zeigen Sie mir noch Betrachtungswinkel, die mir in meiner nächtlichen Jagd nach der Vollendung entgangen sind, die sich vor mir versteckt halten. Vieles von dem, was Sie besser wissen als ich, ist so weit weg von meiner Erlebniswelt, dass ich es erst durch Sie erkennen kann.

Jeder, der sich im persönlichen Kontakt, per Email (ja, auch gerne nachts aus China aus dem BrainGym) oder mittels Kommentarfunktion zu meiner Schreibarbeit äußert, hat mir beigetragen. Zu meiner eigenen anfänglichen Überraschung haben Sie alle mir weitergeholfen und mir etwas beigebracht.

Danke!

Nun glauben Sie bloß nicht, von hier aus postulierte ich die neue Schlampigkeit oder offerierte Ihnen ab jetzt gewollt Unvollständiges. Das schaffe ich nicht, und es wäre mir zuwider. Ich strenge mich weiter an und weiß, Sie haben noch etwas in der Ecke, das ich mir anschauen sollte. Allerdings werde ich nun manchen Blog etwas beruhigter abschließen und die Zeit bis zur ersten Reaktion deutlich entspannter mit Vorfreude auf die mögliche Rückmeldung genießen.

 

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One thought

  1. Jeden Tag freue ich mich auf mein Morgenritual, Kaffee und Blogs. Die Freude kommt nicht so sehr daher, dass Sie (oder andere Blogger) ein Thema abschließend und umfassend für mich niederschreiben, sondern dass Sie etwas in mir anstoßen, das sich dann verselbständigt und weiterrollt. Blogs sind für mich eine Einladung mich mit Themen auseinanderzusetzen. Meistens geschieht das schweigend, aber manchmal sind die Themen so nah an dem, was zur Zeit in mir selbst arbeitet, dass ich zurückmelden möchte.
    Danke für die Gedankenstupser!

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