Journal 2015_22 – Kannibale Tempo frisst Inhalt?

Journal_innen3_0908Mein Journal – 16. August 2015_22 – Vom Tempo und vom Inhalt – Wer kannibalisiert wen oder was?

Wie bereits im Journal_15 am 8. August mit meinen Merry-go-Rounds angekündigt, beschäftigen mich drei Lieblingsthemen, die hier als eigenständige Artikel erscheinen werden.

Der Spatz in der Hand formt sich gerade, plustert sich und gibt immer wieder kleine, schüchterne Piepstöne von sich. Also noch eher ein Spätzchen, könnten Sie sagen. Noch ist er nicht so kess, dass er mich in die Hand pickt. Wer weiß, was er dazu noch braucht.

Der Start dieser Blog-Seite sah einen Veröffentlichungsrhythmus von 1-2 Wochen vor. Damit wären im Schnitt alle 10 Tage neue Texte von mir platziert worden. Das hat sich zu meiner eigenen Überraschung sehr anders entwickelt. Wenn ich an einem Tag aus vielerlei Gründen nichts ins Netz stelle, habe ich gezielt ein Thema in den Hintergrund geschoben.

In mir rotiert ein Job-/Fachartikel, den ich seit 2-3 Jahren veröffentlichen will. Er ist reif, überfällig, will raus und formt sich bereits zu einem großen Teil. Er kostet sehr viel mehr Aufwand, geht vor seinem Erscheinen durch mehrere Hände und hat schließlich ein anderes Forum: Netz und Print. Der Verlag will damit – und mit einigen anderen – eine von vier Jahresausgaben qualitativ anspruchsvoll bestücken und Geld verdienen.

Wenn wie in den letzten Tagen aktuelle und wichtige Fragen auftauchen, wie unsere individuelle Positionierung im Gegensatz zum leisen, aufmüpfigen Maulen oder hämisch-humorigen Kommentieren, will ich damit weder warten noch sie zu großen Schriftwerken aufblasen. Sie gehören gestellt und da wo möglich auch subjektiv beantwortet oder wenigstens genauer analysiert. Was mich beschäftigt, wird auf Wirkung und subjektive Wichtigkeit untersucht, bevor ich es hier zur Verfügung stelle.

 

Auf dieser Schreibreise lauern einige Tücken

Umwege, Untiefen und vor allem inhaltliche Überraschungen und manchmal ganz banal technische Hindernisse bespielen den Prozess des Schreibens in vielen Formen. Noch viel mehr allerdings bietet diese Reise darüber hinaus Charme, unerwartete Bereicherungen und wunderschöne Geschenke. Welche Frage auch immer mir schon lange durch den Kopf geht, aus meinem Herzen kommt und sich allmählich zu einer Meinung herauskristallisiert: Wenn ich dann endlich hier sitze und daran arbeite, entdecke ich so völlig neue oder gar andere Züge, als ich sie vorher vermutet hätte, dass ich oft selbst überrascht bin. Am wenigsten geht es mir beim Schreiben um das Jonglieren von Worten. Auch geht es am wenigsten darum, jedem meine Meinung oder neudeutsch “findings” umhängen und damit Recht behalten zu wollen. Will ich mit ihr gar die Welt verändern? Wobei… – doch! Die Welt verändern, verbessern, an einigen Stellen beeinflussen – das will ich durchaus. Hätte ich geahnt, welche Resonanz ich mit “Es ist an der Zeit, sich zu deklarieren” um mich herum erziele, wäre ich mit exakt dem gleichen Text ohne jede Abweichung aufgetaucht. Ich hätte ihn allerdings lauter “verlesen”.

Kannibalisieren sich Tempo und Inhalt?  Nein. Eher entwickelt sich im Abwägen, was platziere ich wann und wo, noch konkreter der jeweilige Bezug. Der Reflexionsprozess nimmt neue Schleifen und formt neue Erkenntnisse.

 

Gleich, gleich bist du dran!

Wenn ich mein Spätzchen füttere und ihm zuflüstere “Hab’ noch ein wenig Geduld! Gleich, gleich bist du dran!”, weiß ich, es soll nicht in einem Journal verschwinden und damit dem schnellen Wechsel der Tagesveröffentlichungen geopfert werden. Es soll seinen guten Platz bekommen, mich später vielleicht als Mitbringsel in ein Gespräch begleiten. Die Journale, die so rasch hintereinander erscheinen, sind mir so wichtig wie der Spatz in der Hand. Doch sie drängen raus und wollen nicht warten.

Den Spatz füttere ich jetzt weiter, damit er rasch fliegen lernt und groß genug ist, dass Sie ihn sehen und hören können.

 

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