Journal 2015_29 – Die Ungeduld und die Lust am Einlassen

Intensität kostet Substanz
Intensität kostet Substanz

Mein Journal – 30. August 2015_29 – Der Umgang mit der eigenen Ungeduld – eine Disziplinfrage?

 

Sonntag. Heute hätte ich erst einmal zu völlig anderen Dingen Lust gehabt als zu der einen Sache, die mich seit Wochen beschäftigt und von der ich weiß, sie wird mich den Ganzkörpereinsatz kosten: Ausdauer, Sitzfleisch, Disziplin, die Finger auf der Tastatur, die Füße unter dem Schreibtisch. Ich habe alle Versuchungen und Störelemente wie Twitter, XING und sogar meine eigene Blog-Seite weggedrückt. Willenskraft ist gefragt.

Inhaltliches Einlassen, dran bleiben, mich über eine recht lange Strecke konzentrieren und an einem Konzept bleiben, das zwar meine Handschrift trägt, nur nicht gestern sondern bereits vor 6 Monaten entstanden ist: Das kostet mich Substanz und Willenskraft.

Nun ist es vollbracht. Mein Artikel hat sein erstes Stadium von “fertig” erreicht und läuft gerade durch die Korrekturschleife kritischer Augen.

Die Kraft des Steering Committee – Die intensive Arbeit des Schreibens ist deshalb ein Kraftakt für mich, weil mir dieses Thema so sehr am Herzen liegt, dass ich ihm unbedingt gerecht werden will. Diese Art der Auseinandersetzung erlebe ich als sehr intensiv und in seiner Dichte als fast selbstquälerisch. Wenn ich mich so stark einlasse, wird der Prozess durch meine Ungeduld und innere Unruhe regelrecht aufreibend. Alle Punkte wollen zur gleichen Zeit erfasst und betrachtet werden, um dann dennoch in der vorgegebenen Struktur ihren Platz zu finden.

Inhaltlich erspare ich Ihnen heute weitere Ausführungen.

Hätte ich den Artikel für Sie geschrieben, wäre daraus auch harte Arbeit geworden. Dabei erlebe ich Sie in Ihrer Anonymität als einigermaßen vertraut. Schließlich lesen Sie mich immer wieder einmal. Das ist fast wie Kommunikation, Austausch und Kontakt.

Die Kraft des Steering Committee in einen Abgabetermin hineinzuzwingen, sie nach einem vor langem erarbeiteten Exposé strukturiert und konsequent herunter zu arbeiten, finde ich herausfordernd. Die Anonymität der Leserschaft ist mir völlig anders begegnet, als der “Dialog” mit Ihnen.

Etwa im ersten Drittel habe ich beschlossen, Ihnen den Artikel zu widmen, um die erlebte Anonymität der Leserschaft durch meinen “Dialog” mit Ihnen in eine für mich gute Form zu bringen. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Schreibarbeit leichter und lustvoller. Innerhalb kurzer Zeit konnte ich mich wirklich einlassen und auch für längere Sequenzen den wirklichen Flow erleben und aushalten.

Die Faszination und intensive Anstrengung des Artikelschreibens waren mir bereits vertraut. In der Kombination mit einem imaginären Wunschpublikum, nämlich mit Ihnen, bekamen sie unbekannte, neue Facetten.

Ich danke Ihnen für Ihre hilfreiche, wenngleich unbewusste Begleitung.

 

Download PDF