Journal 2015_34 – Starke Menschen = Herzensmenschen

Gutes kommt immer wieder
Wenn sie vor dir stehen, erkennst du sie.

Mein Journal – 25. September 2015_34 – Starke Menschen sind Herzensmenschen

Was macht sie aus, die starken Menschen?

Woran erkennen wir sie und wann stehen sie unverwechselbar vor uns?

Ich betrachte meine langjährige Arbeit als Coach und finde viele Perlen. Diese Perlen sind Menschen, die ich kennenlernen durfte, die ich ein Stück ihres Weges begleitet habe und die wiederum Teil meines Lebens geworden sind. Sie sind sehr kostbar und sehr rar.

Einige von ihnen sind weiterhin meine Gesprächspartner und Freunde und gehören aktiv in mein Leben. Wir sehen einander viel zu selten.

 

Starke Menschen mit einem großen Herzen

Woran machen Sie starke Menschen fest? Sie werden Bilder, Kriterien, Beschreibungen, Leitsätze haben, die Ihnen bei Ihrer Definition dienen. Stellte ich mich jetzt als Interviewerin mit dieser Frage auf die Straße, kämen sehr viele Geschichten, von denen ich den Großteil bestätigen müsste.

 

Meine Herzensmenschen heute hier mache ich daran fest, wie sie ihrem Herzen folgen und wie sie mutig ihre Anliegen immer wieder gegen den Alltag verteidigen.

Ihre Verdienste um die Gesellschaft, um ihre Familien und ihre Firmen oder ihre Aufträge – alles das ist unbenommen auch – oder vielmehr ganz besonders – wichtig. Doch hier und heute geht es mir “nur” darum, wie ein Mensch seinen Lebensweg gelungen gestaltet und sich im kleinen Alltag treu bleibt.

Habe ich noch vor wenigen Tagen den Beziehungsgollum beschrieben, recke ich jetzt die Flagge für die Helden in die Höhe. Es gibt sie. Sie sind sehr, sehr wichtig. Eine Freundin, die auf Abruf zu Hilfe eilt, ist eine sehr wichtige Lebensfigur, ein Lebensmensch. Ein Freund, der ohne äußeren Impuls, ohne Not und ohne langfristige Absicht oder mühselige Planung seinen Weg in Ihr Leben hinein und an Ihrem Standort so vorbei plant, dass er Sie besuchen, Sie sehen, mit Ihnen sprechen kann, der Ihnen seinen Umweg widmet, ist ebenso etwas ganz Besonderes.

In unserem Leben gibt es nur wenige wirklich kostbare weil unersetzliche Ressourcen: Lebensfreude, persönliche Rückzugsgebiete, die funktionierende Familie, Freiheit, tiefe Freundschaft und vor allem Zeit.

Denke ich deutlich länger über diese Liste nach, finde ich noch ein paar weitere heimliche oder allen bekannte Zauber- und Energieecken und streiche später den einen oder anderen Punkt von oben. Diese Auswahl ist so subjektiv, wie wir Menschen unterschiedlich sind.

Bekomme ich von einem Menschen seine Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, ohne dass er daran einen persönlichen Nutzen, eine Erwartung oder eine Absicht knüpft, darf ich dieses Geschenk nehmen und mich freuen.

 

Anruf in Abwesenheit

Gerade in dieser Woche hatte ich eine dieser ausgesprochen seltenen, glückvollen Gelegenheiten: Kurz vor der Rücktour von inspirierenden und befriedigend harten Arbeitstagen in unserer deutschen Hauptstadt finde ich auf meinem Display “Anruf in Abwesenheit” mit einer mir nur entfernt vertrauten Telefonnummer. Die osteuropäische Landesvorwahl konnte ich noch zuordnen. Wer soll mich von dort anrufen? Ich wähle den Rückruf und finde keine Information in meinem Speicher.

Ich höre so gut wie nie meine Mobilbox ab. Manche wissen es und besprechen sie gar nicht mehr. Andere mögen sich schon oft über mich geärgert haben, weil sie dort etwas hinterlassen, was mir ganz sicher entgeht oder was ich nur zufällig Monate später entdecke. Ich hinterlasse selbst auch keine Nachrichten – weil ich das Abhören als ungemein anstrengend und langwierig erlebe. Text für nix. Lange Stories, die schon nach dem 1. Satz oder nach dem Erkennen der Stimme klar sind. Schon oft hatte ich mir vorgenommen: Das Ding wird jetzt abgestellt. Auch das war mir bis jetzt zu mühsam.

Ich finde diese mir fremde und dennoch irgendwie vertraute Telefonnummer und entscheide, ich höre doch besser mal rein… Das hat sich gelohnt!

“Bin auf dem Weg von A nach B und mache einen Stoppover in Düsseldorf. Vielleicht hast du ja eine Deutschlandwoche…” Ein paar kurze SMS und Telefonversuche gehen hin und her, und wir sind verabredet. Mein Donnerstag lässt sich mit Unterstützung anderer leicht an ein gemeinsames Zeitfenster anpassen.

Das Erkennen, wer mich angerufen hatte, ruft die gesamte gemeinsame Geschichte in mir hoch: Der Tag vor vielen Jahren, an dem ich ihn als möglichen zukünftigen Kunden kennenlernte und einfach nur als Herausforderung empfand. Der Moment, als er und seine Frau sich ineinander verliebten, weil ich ihn zufällig miterleben durfte. Jahre später die gegenseitigen Geburtstagsfeiern und privaten Begegnungen in den jeweiligen Gärten. Die Kinder und die gemeinsamen Freunde und weitläufigeren Bekannten. Bilder, Sequenzen und positive Erinnerungen tauchen sofort lebhaft in mir auf.

Vermutlich werden sich jetzt einige um mich fragen, wieso nicht sie selbst heute diesen Schreibimpuls ausgelöst haben: “Wieso schreibt sie über ihn und nicht über mich?” Tue ich doch. Immer wieder, auch gleich unten noch.

 

Starke Menschen ziehen andere starke Menschen an

Ja, klar, sie haben auch Mitesser und Gollums in ihrem Umfeld.

Sie strahlen darüber hinaus so deutlich etwas durchdringend Positives ab, was andere Große um sie herum anlockt, dass in ihrem Umfeld eine gute Gemeinschaft entstehen kann. So, wie mein Donnerstagabend-Besuch vor mir auftaucht, gibt es direkt um ihn herum weitere Lichtpersonen mit Strahlkraft und Anziehung. Ich hätte also genauso einige andere Menschen aus dem gemeinsamen Freundeskreis zitieren oder seine Frau heute hochleben lassen können. Sie alle verbindet nicht nur die gemeinsame Freundschaft sondern auch die individuelle, deutlich erkennbare Stärke, das jeweils große Herz.

 

Wie hat sich der Abend entwickelt?

Vorfreude und auch ein wenig Spannung gingen ihm voran. Wie wird uns das Wiedersehen im fremden Umfeld gelingen? Viel war seit der letzten Begegnung auf beiden Seiten passiert. Ich hatte eine letzte Feier bei einem gemeinsamen Freund ausgelassen, weil ich in Arbeit mit Abgabefristen untergegangen und mir der Weg nach Budapest für eine Party dann spontan zu weit war… – was mich jetzt in meiner Größe angesichts der heutigen Beschreibung deutlich schmälert.

Weitere Fragen waren: Haben wir uns so viel zu erzählen? Wie gehe ich mit besonders heiklen Themen aus der Familie um? Wir hatten uns schließlich in den letzten Jahren nie ohne Anlass und ohne Familie oder Freunde gesehen.

Oh ja, wir hatten uns sehr viel zu erzählen. Düsseldorf ist dann ja doch wieder ein Dorf: Nach einem sehr gutem Essen wurden wir aus dem längst leeren Restaurant freundlich heraus geschubst. Mitternacht ist Zapfenstreich. Nach einigen Um- und Irrwegen fanden wir schließlich noch ein winziges Plätzchen, das uns für weitere Stunden und Gesprächsrunden aufnahm. Als wir auch dort die allerletzten Gäste waren und uns angesichts des fortschreitenden Freitags ein wenig die Energie ausging und der neue Tag mit Druck nahte, fanden wir endlich einen vorläufigen Abschluss. Ein schöner Abend, eine schöne Begegnung und sehr viel Klarheit, direktes Erkennen, Verstehen und Teilen – aus meiner Sicht ist das eine sehr reiche “Ausbeute”.

 

Gutes gehört geteilt

So, wie meinen Gesprächspartner am Donnerstagabend, gibt es noch einige mehr, die sich tief in meine Wertschätzung und in mein Herz bohren. Eine Namensliste werden Sie hier nicht finden, denn sie wäre niemals komplett.

Auch meine Beschreibungen lassen Wünsche offen und gehören immer wieder ergänzt. Ein paar Hinweise will ich gern mit Ihnen teilen: Wenn ich wie zu meinem Post, “einen guten Abschluss finden”, auf sehr unterschiedlichen Kommunikationskanälen sehr persönliche und aus Sicht der Sender sogar gewagte Stellungnahmen geschenkt bekomme, sehe ich wieder diese besondere Stärke in meinen Freunden und Gesprächs- oder Austauschpartnern, die hier konkret mir gewidmet wird. Letzte Nacht durfte ich über weiße Raben lernen. Mein Eindruck: Am Donnerstag wurde ich von einem weißen Raben besucht.

Diese Reise durch den Mittwoch bis zum heutigen Samstag, die ich Ihnen hier beschreibe, hat den Düsseldorf-Stoppover im erzählerischen Zentrum. Auf die Reise mitgenommen und unterwegs immer wieder dankbar betrachtet habe ich allerdings sehr viel mehr Herzensmenschen, als auf den ersten Blick hier erkennbar sind.

Wenn Sie sich hier wiederfinden, freue ich mich. Wenn Sie Reisebegleiter in Ihrem Leben wiedererkennen, freue ich mich für Sie.

Welche Indizien und Signale haben Sie entdeckt, woran Sie Ihre Menschen mit dem großen Herzen erkennen?

 

 

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