Journal 2015_36 – Start des Veränderungsjournals

Vorsätze, Erfüllungsgrad und die Magie
Von nun an also Vorsätze, Erfüllungsgrad und Magie…

Mein Journal – 1. Oktober 2015_36 – Start des Veränderungsjournals – Der Blick in den Spiegel und die ersten Vorsätze

Kaum vier Wochen ist es her, dass ich mich hier großartig über das Veränderungs-Journal von Grzeskowitz ausgelassen und den Reiz zwischen dem Reflexionsangebot und der stereotypen Abarbeitung in einem vorgedruckten Buch beschrieben habe.

Seit ich dieses Buch als Geschenk für eine Freundin in der Hand hielt, ließ mich der Gedanke an die 365-Tage-Selbstführung nicht mehr los. Seine Anziehungsmagie ist vergleichbar mit dem Minimalism Game. Seit dem Minimalism kann ich kaum an Bekleidungs- oder Einrichtungsredundanzen ungerührt vorbeigehen. Die Frage, ob rote Wildleder-Stillettos in Größe 38 wirklich für Flüchtlinge geeignet sind, hat diese Schuhe erst noch einmal in meiner Wohnung belassen.

Übungen wie der Minimalism oder das Veränderungsjournal sind offenbar Spielwiesen für die Zwanghaften unter uns. Wenn es vorher für Sie noch nicht erkennbar war, ist es nun heraus: Ich tendiere zur Gründlichkeit und zum Perfektionismus.

 

365 Tage Veränderungsjournal

Der Start mit dem „Blick in den Spiegel“ hatte seine erste Runde bereits vor 4 Wochen. Wie ein guter Germ- oder Hefeteig musste die Zieldefinition in sich ruhen und reifen. Erst war sie mir zu willkürlich und beliebig. Dann war sie mir wieder viel zu verquast und kleinteilig. Zuletzt fand ich den Ton zu persönlich und gleichzeitig wieder so verklausuliert, damit sie von eventuellen Leser nicht als 1:1 Manual für mich nehmen können. Latente Unzufriedenheit bei gleichzeitig vermiedener Auseinandersetzung grummelte in meinem Hinterkopf. Für eine so wichtige Aufgabe wie den Blick in den Spiegel und die erste Definition des „Was will ich erreichen?“ wollte ich doch wohl gründlicher Zeit haben.

Fast hätte sich die Idee durchgesetzt, den Start noch um einen weiteren Monat nach hinten zu schieben.

Schließlich siegten meine Neugier und mein Wunsch, wirklich im Selbstversuch zu erproben, wie es mir mit dem neuen Spiel ergehen möge und was ich davon in gleicher oder völlig anderer Form in meinen Alltag integrieren kann.

 

Start mit dem Coaching-Selbstversuch

Der 1.10. ist ein wunderbares Datum: Leicht zu merken, kurz vor dem wirklichen Herbst, bereits reicher an Reflexion und Innehalten als die lebensbejahenden Monate April bis Juli.

Die mit dem Buch beschenkte Freundin hatte ein ähnliches Regelmäßigkeitsanliegen. Diese Gemeinschaftsarbeit als Arbeitsformat hat für beide einen Neureiz. Gemeinsam eine Sprache lernen, abnehmen, joggen gehen, an einer Examensarbeit schreiben: Damit verbinde ich überzeugende Erfolgsbilder, die allerdings auch sehr stark mit äußeren Messkriterien bestückt sind, denn schließlich geht es dabei um Examensnoten, Feedback aus dem Umfeld und erfolgreiche Abschlüsse.

Das Veränderungsjournal selbst ist durch seinen Tagesrhythmus so nah an meinem Alltag und gleichzeitig in seiner Gesamtjahresdynamik so durchgängig, dass es keine äußeren Highlights oder zu erreichenden Zwischenstufen gibt. „Drin ist drin.“

 

Da stehen wir nun

Wir haben Mittwoch, 30. September, den Blick in den Spiegel formuliert und mit 1. Oktober die Aufgabe von Tag 1 begonnen: „Was habe ich mir für heute vorgenommen?“

Prompt beschwert sich die innere, strukturierte Methodikerin in mir: Wieso soll ich erst am Tagesende definieren, was ich mir morgens vorher vornehme?

Ich komme zu dem Schluss: Sie hat Recht, die zwanghaft Strukturierte. Das gehört einfach anders: Erst Veränderungen oder Ziele vornehmen, danach schließlich evaluieren, wie erfolgreich ich sie umgesetzt habe.

Das sind methodisch betrachtet heitere Aussichten, wenn ich bereits am 1. Tag die angebotene Form neu aufsetze. Fragt sich, was uns in diesem Jahr noch alles erwartet.

Andererseits lebe ich meine Arbeitspraxis immer häufiger so, dass ich Methoden als die Formgebung bereits erfolgter, gelungener Anwendung betrachte. Sie beschreiben ein „Wie macht man?“ und werden erst dann zur Methode erhoben, wenn sie bei richtiger Durchführung wiederholt zum Erfolg führen.

Das Veränderungsjournal ist eine Methode. Ihre Wiederholung von Tag zu Tag lohnt sich erst, wenn sie funktioniert. Mein Verdacht: Sie funktioniert allerdings erst, wenn ich sie Tag für Tag wiederhole.

 

Tag 1: „Wir müssen zuerst sein, …“

Er startete mit der Aussage: „Wir müssen zuerst sein, um etwas zu tun und danach haben zu können.“

Ich verrate Ihnen, vier Wochen lang hielt ich diesen Satz für völlig banal und habe mich geärgert, dass er Tag 1 zugeschrieben ist. So wenig einladend. So gar nicht inspirierend. In sich nicht einmal sprachlich schön…

Wie überrascht war ich, als sich dieser Satz plötzlich vor mir entwickelte und Gestalt annahm.

Also sind es auch inhaltlich betrachtet faszinierende Aussichten, die sich mir mit den 365 Tagen Selbstführung bieten.

 

 

Download PDF

2 thoughts

  1. Hut ab, liebe Frau Schulte, wenn Sie das durchhalten, und ich bin davon überzeugt, dass Sie es schaffen. Gründlichkeit und Perfektionismus sind zwar auch meine „Steckenpferde“, aber ich besitze nicht die Disziplin, meine Zeit so konsequent zu nutzen. Und: Ich brauche durchaus meine 6 Stunden Schlaf jede Nacht.
    Dennoch frage ich mich durchaus vor dem Einschlafen, wenn ich das Licht ausgeschaltete habe, was ich mir für den Tag vorgenommen hatte und was ich daraus gemacht habe. Der nächste Schritt wäre dann, diese Gedanken aufzuschreiben. Darüber im Dunkeln nachzudenken ist für mich eine Art Einschlafritual. Wer weiß, was mein Gehirn daraus macht, während ich schlafe.
    Liebe Grüße
    Giselle Chaumien

    1. Liebe Frau Chaumien, die Konsequenz, mich wirklich am Abend noch nach meinen Tageserfolgen zu fragen, habe ich viele Male mit wenig Erfolg ausprobiert. Zum einen habe ich als Hinderungsgrund stark meine eigene kritische Haltung wahrgenommen: Ich sehe leichter die misslungenen Tagesereignisse als die glückvollen. Mein Anspruch an mich selbst stand mir dabei so lange im Weg, als es kein entschiedenes Konzept gab. Mit der neu hinzugekommenen Motivation des „Abzählens“ der Tage, hat die Entscheidung für ein Konzept einen Rahmen bekommen. Mir liegt das. Wie es mir damit auf die Dauer ergehen wird, kann ich nicht abschätzen. Ich werde es vermutlich immer wieder einmal teilen.
      Die Schlafforschung behauptet auch, wir (ver-) arbeiten nachts weiter. Das sehe ich also wie Sie: Es lohnt sich, dort noch einmal hinzudenken.
      Nachdem ich meine Abarbeitung des Tagwerks VOR der Nachruhe erledige, sollte ich diesen Verbesserungsschritt noch ausprobieren.
      Liebe Grüße
      Petra Schulte

Comments are closed.