Journal 2015_4 – Unterschiede generieren

Nachtgedanken
Nachtgedanken

Mein Journal – 14. Juli 2015_4 – Unterschiede generieren

Vor Monaten habe ich mich auf diese Reise zur eigenen Blog-Seite gemacht und mich immer gefragt, wie sie – diese Reise – sich wohl auf mein selbstgewähltes Arbeitspensum, auf meine Gewohnheiten und meinen Fokus insgesamt auswirken wird. Eine leise Frage im Hintergrund war auch: Will ich mich wirklich mit so einem Ballast behängen?

Im April hieß es seitens meines technischen Beraters: “Suchen Sie sich ein Theme.” Wie, ICH soll mir was suchen… ??? Das hat mich für’s Erste schon einmal genervt. Für “so etwas” habe ich keine Zeit. Das sollte also Arbeit werden. Mein Glück, dass mein Berater hinreißend geduldig und klug ist. Was immer ich an Wünschen hatte, wir konnten sie alle besprechen. Langsam kristallisierte sich heraus, was ich für mich will. 3 Tage vor dem geplanten Release wurde klar: Es muss alles noch einmal ganz anders werden. Auch das haben wir geschafft.

Auf der Suche nach meinem Theme bin ich über Wochen nachts im Internet hängen geblieben und habe sehr rasch Blogger gefunden, deren Sprache, Themen, Anliegen, offensichtliche Gewohnheiten sehr divers zu meinen schienen. Nachtstunden im Netz hatten für mich bis dahin die Qualität von Game Apps: Zeitverschwendung, unkreativ, der mentale Prozess in Parkposition. Kurz: Keine Entwicklung.

Parallel zum Aufbau meiner Seite bin ich immer wieder bei den gleichen Adressen vorbeigeschlichen, habe spiralförmig weiter werdende Kreise gezogen und mir auch das Umland der Fangemeinde angeschaut.  Unter den Fans lässt sich gut unterscheiden, wer welchen Stil bevorzugt. Die Neugier und die regelmäßigen, Abendarbeit-abschließenden Besuche auf ein paar wirklich interessanten Seiten erinnerten mich im Gefühl plötzlich an die Game Apps, so dass die Frage nach der Sinnhaftigkeit wieder auftauchte: Was findet hier statt? Was ist der added value, wenn ich mir die Reflexionen anderer Menschen noch um Mitternacht durchlese?

Kurz kam in mir auch die Frage hoch: Wenn Biographien publikumswirksamer Helden (Steve Jobs, Hilary Clinton u.a.) so populär sind, wie wird sich dieser Boom durch die Blogger verändern? Die Blogger sind viel autobiographischer unterwegs und unterhalten große Runden.

Was ist schließlich vorfinde, hat erst einmal eine feine Legitimation: The Minimalists schreiben darüber, wie sich bloggen auf unsere eigene Schreibe, unsere Reflexionsfähigkeit, unsere Denke, Wahrnehmung, und vor allem unsere Intention auswirkt. Ok. Das liest sich vernünftig. Das kann ich nachvollziehen.

Dann entdecke ich, wie sich die Anregungen und Herausforderungen der Blogger untereinander auswirken. Es breitet sich eine relativ leise und gleichzeitig kraftvolle Bewegung aus, weil jemand scheinbar im Spaß einen Ball ins Spiel bringt, der aufgegriffen und weiter gespielt wird. Ich schaue den vordergründig unabhängigen Einzelbewegungen unterschiedlicher Menschen auf ihren Seiten zu, die für sich in sehr unterschiedlichen Tonlagen und Themenlandschaften Kreationen hervorbringen. Das Bild ist wie ein riesiges Mosaik. Alle Facetten von leichtfüßig, witzig, frech, ungemein unterhaltsam bis sehr persönlich, berührend und in ihren Aussagen lehrreich und bestätigend kommen darin vor.

Betrachte ich die letzten 8 Wochen und das gerade beschriebene Blog-Ensemble aus verschiedenen Winkeln, sehe ich sehr genau: Da hat eine Person einen Ball in die Luft geworfen, der aufgegriffen wurde und im weiteren Spielverlauf bei mehreren Menschen Entwicklung möglich macht. Hier wurde für einige, aber auf jeden Fall auch für mich ein wirklicher Unterschied generiert. Keine Ahnung, welche Biographie eines publikumswirksamen Helden mich in so kurzer Zeit so nachhaltig angestupst hätte.

 

 

 

Download PDF

2 thoughts

  1. Eine interessante Entwicklung in einem nicht einfachen Prozess, den Sie da durchlebt haben, liebe Frau Schulte. Ein Weg, den Sie bewusst gewählt haben, dessen Risiken und Nebenwirkungen Sie zwar “theoretisch” kannten und kennen, aber wer weiß, ob es da nicht noch weitere Weggabelungen gibt … Auf jeden Fall spannend. Und die Lektüre Ihrer Beiträge regt stets zum Nachdenken an. Vielen Dank dafür. Und … weiter so! 🙂

    1. Liebe Frau Chaumien, eine interessante Entwicklung, an der Sie Ihren sehr persönlichen und deutlichen Anteil haben. Immer wieder meinen ganz herzlichen Dank dafür!
      Nun gehe ich einmal ein paar Tage neuen Input tanken, meine Gedanken lüften und die Augen am Rand des Horizonts ausruhen. Die von Ihnen mitgestaltete Reise beeindruckt mich sehr positiv. Ich habe allerdings auch große Lust, jetzt einmal von oben drauf zu schauen und diesen Perspektivenwechsel zu genießen und bei Bedarf und zu gegebenem Anlass später wieder zu stiften.

Comments are closed.