Mai 2016: Ordnung halten für Dummies

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Thema des Monats – Ordnung halten für Dummies

Ordnung ist das halbe Leben: Was glauben Sie, wie viel Zeit und Geld wir durch das wirkliche Verstehen und konsequente Einhalten sehr simpler Strukturen gewinnen können?

Mein Erfahrungsbericht nach einem Monat Umzugsvorbereitung und Ecken ausräumen unter Zuhilfenahme von „Ordnung halten für Dummies – von planlos zu piccobello“, fördert bereits wunderbare Geschenke und tatsächlich erkennbare Zeitersparnisse zutage.

 

Mai 2016 ist längst Vergangenheit

Der Mai ist schon durch? Umso mehr lohnt sich für mich ein Blick auf sein Thema – mein Monatsthema, das mich am heißen Mittag des 15. Aprils auf dem Frankfurter Airport Bahnhof völlig überraschend ansprang. Einen erfolgreichen Mini-Workshop hinter mir und die mühselige, lange Warterei aufgrund ausgefallener Züge vor mir durchkämmte ich den Airport Bahnhof auf der Suche nach Schatten, Sitzmöglichkeiten, gutem Kaffee oder einem scharfen Snack. Thai hätte ich gewollt.

Alles war möglich und nichts lockte mich wirklich – bis ich auf das typische, rechteckige und vor allem leicht überschaubare Zeitschriften- und Buchgeschäft stieß.

 

Bahnhofsbuchhandlungen – eine Insel der Seligkeit

Ich liebe Bahnhofsbuchhandlungen mit ihrem luftigeren, schnell konsumierbaren Angebot. Dort finde ich Kurzweil, Anregungen, Geheimtipps, auf die ich im Alltag nicht komme, die ich niemals abonnierte und die ich gar nicht erst suche. Meine Fänge sind Gelegenheitskäufe, die nicht einmal bei mir zuhause ankommen, sondern im Zug oder auf dem Flug durchgekaut und dann entsorgt werden.

Neben den neuesten Entspannungs- und Chill-Out-Magazinen reklamieren sich dort pragmatische Gartenzeitschriften, Strickanleitungen, Golfmagazine in des Besuchers Aufmerksamkeit. Die exklusivsten Mittelmeerhäuser gefolgt von Country-House-Dekoration für Fortgeschrittene, fremdsprachigen Wirtschaftsmagazinen und den neuesten Rennmaschinen-Tests – alle rufen mir zu: „Auszeit, Ich-Zeit, Zeitvertreib“.

Keine Stadtbuchhandlung bietet diesen Mix und diese Leichtigkeit.

 

Mitten aus diesem Leichtigkeits- und Freizeitmix springt es mich an

Schwarz-gelb springen sich mich völlig ungeschützt an. Die Dummies Serie, wer kennt sie nicht? Von BWL über Stricken und CSI Forensik bis „Katzen für Dummies“ gibt es dort so ziemlich alles, was uns nicht sowieso im Alltag in die Wiege gelegt wird.

Meine grundsätzliche Ablehnung gegen die früher in schlechtem Papier und Großformat laut prahlerischen Besserwisser lässt mich kurz stutzen, doch meine Neugier siegt. Mein zweiter Blick und erster Griff landen zielsicher auf „Ordnung halten für Dummies“. Aus den sicher 20 Exemplaren greife ich schnell und gierig das Nächstbeste noch verschweißte, so als seien sie alle in der nächsten Minute vergriffen. Scheinheilig umschleiche ich zweimal den ganzen Stand und lege es wieder zurück. Auf zweimal zwei Meter liegt dort in schwarz-gelb alles, was ich nicht wissen will. Gehöre ich etwas zu den XYZ-für-Dummies-Leserinnen? Darf ich mich damit überhaupt sehen lassen?

Der Blick in ein ausgewickeltes Exemplar beweist: Ich darf nicht nur, ich muss sogar. „Ordnung halten für Dummies“ ist ein Muss für mich. Danach habe ich ungeahnt seit Jahren gesucht.

 

Unterschiedsbildung auf 250 Seiten

Seit dem 15. April heißt mein ständiger Begleiter also „Ordnung halten für Dummies – von planlos zu picobello“.

Sie glauben, ich sei eine Chaotin, ein Mülli, eine planlose Sammlerin oder insgesamt eine halbwegs schlecht organisierte Person und müsse mir deshalb diese Ordnungsselbsttherapie verabreichen? Nein. Ich darf Sie enttäuschen.

 

Zwei Seelen in (m)einer Brust

Ich liebe Strukturen und Ordnung. Damit kommt die Zwänglerin in mir so schön zu ihrem Recht. Das Ordnen, Sortieren, Zuordnen trage ich in mir, denn sie korrespondieren mit meinem Wunsch, Recht zu haben, überlegen zu sein, zu bewerten, alles im Sinne von gut und böse, richtig und falsch, nützlich und unnötig zuzuordnen.

Gleichzeitig stehe ich im Leben für Vielfalt, Komplexität, Differenziertheit. Ich sammle, hege, pflege, betrachte, verweile – und verliere mich.

Als ich vor 5 Jahren entschied, in Düsseldorf einen zweiten Wohnsitz einzurichten, wusste ich gleichzeitig: Hurra! Wie schön! Jetzt kann ich mich noch einmal wohnlich austoben, Neues anschaffen, eine andere Wohnseite in mir ausleben.

Gar nicht lang, und ich war komplett neu eingerichtet. Zur Belustigung meiner engeren Bekannten hatte ich die wichtigsten Dinge identisch doppelt und genau an der gleichen Stelle wie in Wien. Die selben (Ordnungs-) Rituale am Morgen und am Abend helfen mir in den Tag hinein und retten mich wieder heraus.

Doch weiter mit „von planlos zu picobello“ – keine Buchbesprechung.

 

Was kann es nun wirklich, das Ordnungsding?

Eileen Roth, die Autorin dieses Wunderwerks von Lebenserleichterung, Zeitersparnis und Transparenz im Alltag, verspricht Effizienz und Effektivität.

Gewonnen habe ich gleich zu Beginn Effizienz und Effektivität – noch in einem überschaubaren Ausmaß und mit deutlichem Potenzial für mehr.

Nachdem sich meine Welt nicht innerhalb von 45 Tagen komplett verändert, stehe ich weiterhin ganz am Anfang und bemühe mich um schrittweise Steigerung: Mein Schreibtisch ist frei von Störeinflüssen und Ablenkungen. Selbst das Bild meines Vaters steht inzwischen in einem Regal hinter mir. Die empfohlenen mikro-logistischen Regeln für die Arbeitsstruktur meines Schreibtisches befolge ich. Dinge, die ich regelmäßig mit der rechten Hand benutze, stehen rechts von meinem Bildschirm und umgekehrt. Mein Schreibtisch ist auffallend leer. Der Bildschirm, rechts davon ein paar Stifte, links vom Bildschirm steht das Telefon für mich als Linkstelefoniererin, direkt vor mir eine Schreibunterlage. Alles andere ist verschwunden.

Sobald ich im Büro lande, packe ich nur die Dinge aus, die ich in den nächsten 1-2 Stunden benötige. Danach räume ich auch die Tasche weg.

 

Erste Resultate

Meine Tasche ist leichter als früher, weil ich keine „eventuell habe ich dafür noch Zeit“ Optionen mit mir herumtrage. Alle Taschen sind leichter als früher, weil ich gerade diese Reduktion als besonders angenehm erlebe.

Noch fehlt die Uhr direkt vor mir. Sie ist schon bestellt. Mit ihr schaffe ich bei lästigen Aufgaben schnellere Ergebnisse. Wenn Ihnen das zu profan oder mechanistisch erscheint, lasse ich Sie gern in diesem Bild. Ich habe mittlerweile für mich erkannt, dass Inspiration gern durch einfache Regeln und Wegbereiter eingeladen und unterstützt wird. Wenn ich vor komplexen oder zähen Aufgaben stehe, tendiere ich dazu, mich zu verbummeln, mich mit anderem abzulenken oder situativ auf abgerufene Emails zu reagieren. Dass meine Emails nur aktiv von mir abgerufen werden, statt automatisch zu landen, beherzige ich seit Jahren. Dennoch integriert jeder Tag darüber hinaus spontane Überfälle und Notwendigkeiten. Umso besser, wenn ich meine Fixtermine und geplanten Ergebnisse gut im Griff habe.

 

Von To Do Liste zu Prioritäten

Meine Tagesprioritäten waren immer durch ToDo-Listen bestimmt. Jetzt sind sie anders klar und werden weniger vom Prozess als mehr vom Ergebnisanspruch gesteuert. Mich interessieren meine strategischen Ziele und was ich als Ergebnis erreichen will und was ich wirklich als nächsten Arbeitsschritt benötige. Prozessziele erlebe ich seit je her als austauschbar und oft redundant.

Meine Prioritätenliste morgens hat inzwischen meine Kolleginnen angesteckt. Ob ich in einem Workshop bin oder nicht: Sie schicken mir ihre Prioritäten, so wie ich meine an sie an den Tagen ohne Workshops.

 

Ordnung zu Hause

Meine private Ablage habe ich in den letzten zwei Wochen nach neuen Kriterien zusammengestellt und freue mich, wenn wie jetzt jedesmal 10-30% davon sofort aussortiert und entsorgt werden. Diese Reduktion kann ich mit schwindender Erfolgsrate noch zwei bis drei Male wiederholen. Mein in wenigen Wochen anstehender Umzug findet neue Strukturen, wobei ich dennoch feststelle, er bleibt ein Umzug und damit lästig, mühsam, unangenehm. Die Vorbereitung erlebe ich allerdings entspannter als bei früheren Anlässen.

 

Das Wesentliche zum Schluss

Seite 38-39 in „Ordnung halten für Dummies“ waren für mich der Schlüssel zum Ganzen. Das Buch selbst ist voller Tipps und Tricks, voller Verständnis, Hintertüren und klaren Angeboten. Ich werde es noch eine Weile mit mir herumtragen.

Doch auf Seite 38-39 geht es um grundsätzliche Zieldefinitionen. Die habe ich für mich getroffen und stelle angenehm berührt fest: Sie greifen. Ich erledige eine Baustelle nach der anderen – in Ruhe und mit Klarheit.

Wenn ich dann sehe, dass große Konzerne, erfolgreiche Top-Manager und einflussreiche Spieler in der Wirtschaft weder ihre persönlich-privaten noch ihre strategischen Unternehmensziele definieren können und wollen, ermutigt mich das nur, bei meinen eigenen dran zu bleiben.

 

Ausblick

Damit sind wir im Juni: Mein neues Thema des Monats heißt „Entscheidungen nicht treffen“.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer. Er wird mit „Ordnung halten für Dummies“ leichter.

 

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